60 Jahre Wartburg 353: Die Geschichte einer Automobillegende aus Eisenach 1/2
Es ist schon eine Weile her, da hatte ich es mit einem Scheunenfund zu tun. Ein alter Wartburg, der sich heute in guten Händen befindet und den Weg zurück auf die Straße gefunden hat. Nicht, dass ich die Marke Wartburg aus den Augen verloren hätte, ich hatte ja seinerzeit selbst einige Exemplare besessen. Aber irgendwie rutschte das Thema über die Jahre in meinem Gedächtnis ins Abseits.
Der Scheunenfund motivierte mich, wieder etwas zu recherchieren und die Geschichte des Eisenacher Automobilbaus etwas intensiver zu beleuchten. Passend zum 60-jährigen Jubiläum des Wartburg 353 habe ich zu ebendiesem Thema den folgenden Artikel verfasst. Viel Spaß beim Lesen!
Kaum ein anderes Automobil steht so sinnbildlich für den Fahrzeugbau der DDR wie der Wartburg 353. Als er 1966 vorgestellt wurde, war er technisch bereits eine überholte Konstruktion auf vier Rädern, gleichzeitig aber einer der modernsten Personenwagen des Ostblocks. Sein markantes Design, der charakteristische Dreizylinder-Zweitaktmotor und seine robuste Technik machten ihn über Jahrzehnte zu einem zuverlässigen Begleiter von Familien, Handwerkern und Behörden.
Doch die Geschichte des Wartburg 353 beginnt lange vor seiner Markteinführung. Sie reicht bis in das Jahr 1896 zurück, als in Eisenach die ersten Automobile gebaut wurden. Alles über die Geschichte und Technik des Wartburg liest Du hier!
Eisenach: eine der ältesten Automobilstädte Deutschlands
Wenn heute über deutsche Automobilgeschichte gesprochen wird, fallen meist Namen wie Stuttgart, Wolfsburg, Rüsselsheim oder München. Dabei gehört Eisenach zu den ältesten Automobilstandorten Deutschlands. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts begann hier eine industrielle Fahrzeugproduktion. Und damit Jahrzehnte früher als an vielen heute bekannten Standorten.
Die Geschichte des Automobilbaus in Eisenach ist geprägt von technischen Innovationen, politischen Umbrüchen und mehreren Markenwechseln. Dennoch blieb eines über mehr als 100 Jahre konstant: In Eisenach wurden Automobile entwickelt und gebaut.
Die Fahrzeugfabrik Eisenach: Der Beginn einer Erfolgsgeschichte
Am 3. Dezember 1896 wurde die Fahrzeugfabrik Eisenach AG gegründet. Ziel war zunächst nicht die Entwicklung eigener Automobile, sondern die Produktion eines bereits erfolgreichen französischen Fahrzeugs in Lizenz.
Damals galt Frankreich als führende Automobilnation Europas. Deutsche Hersteller orientierten sich an französischen Konstruktionen, um möglichst schnell eigene Fahrzeuge auf den Markt bringen zu können.
Bereits 1898 verließen die ersten Automobile die Werkshallen in Eisenach.
Die „Voiturelle“ des Herstellers Automobiles Decauville wurde unter dem Namen „Wartburg-Motorwagen“ vermarktet.
Der Wartburg-Motorwagen: der erste Wartburg
Warum der Name „Wartburg“?
Die berühmte Wartburg thront seit Jahrhunderten oberhalb der Stadt Eisenach. Sie gilt als Wahrzeichen Thüringens und war daher Namensgeber des ersten Automobils aus Eisenacher Produktion.
So entstand der Wartburg-Motorwagen
Er war das erste Fahrzeug, das den traditionsreichen Namen „Wartburg“ trug. Fast 70 Jahre, bevor der Wartburg 353 erschien.
Technische Daten des Wartburg-Motorwagens
Der Wartburg-Motorwagen basierte zunächst auf französischen Konstruktionen von Decauville, wurde jedoch kontinuierlich weiterentwickelt.
Merkmal | Wartburg-Motorwagen |
Produktionsbeginn | 1898 |
Motor | Einzylinder bzw. Zweizylinder (modellabhängig) |
Leistung | Ca. 3,5–8 PS |
Kraftübertragung | Kettenantrieb |
Höchstgeschwindigkeit | Bis etwa 40 km/h |
Sitzplätze | 2–4 |
Aus heutiger Sicht wirken diese Werte bescheiden. Ende des 19. Jahrhunderts gehörte der Wartburg-Motorwagen jedoch zu den modernen Automobilen seiner Zeit.
Vom Lizenzbau zur Eigenentwicklung
Bereits wenige Jahre nach Produktionsbeginn begannen die Ingenieure in Eisenach, eigene Verbesserungen vorzunehmen.
Dazu gehörten unter anderem:
- leistungsstärkere Motoren
- verbesserte Fahrwerke
- höhere Zuverlässigkeit
- komfortablere Karosserien
Damit entwickelte sich die Fahrzeugfabrik Eisenach zunehmend vom Lizenzhersteller zum eigenständigen Automobilproduzenten.
Das Ende der Marke Wartburg
Trotz technischer Fortschritte geriet die Fahrzeugfabrik Anfang des 20. Jahrhunderts wirtschaftlich unter Druck. Die Konkurrenz wurde größer, neue Hersteller entstanden und die Modellpalette musste modernisiert werden. 1904 entschied sich das Unternehmen daher für einen grundlegenden Neuanfang. Der traditionsreiche Name Wartburg verschwand zunächst vom Kühlergrill. Er sollte erst mehr als sechs Jahrzehnte später zurückkehren.
Dixi: Der nächste Schritt in der Automobilgeschichte
Warum entstand Dixi?
Nach dem Ende der Wartburg-Produktion benötigte die Fahrzeugfabrik eine moderne Modellreihe. 1904 wurde deshalb die neue Marke Dixi eingeführt.
Der Name stammt aus dem Lateinischen und bedeutet sinngemäß:
„Ich habe gesprochen.“
Schon bald entwickelte sich Dixi zu einer bekannten deutschen Automobilmarke.
Die Entwicklung der Dixi-Modelle
In den folgenden Jahrzehnten entstanden zahlreiche Fahrzeuge unterschiedlichster Klassen.
Dixi baute:
- Kleinwagen
- Mittelklassefahrzeuge
- Luxusautomobile
- Nutzfahrzeuge
Besonders bekannt wurden die größeren Tourenwagen, die sich durch eine solide Verarbeitung und gute Fahreigenschaften auszeichneten.
Die schwierigen Zwanzigerjahre
Nach dem Ersten Weltkrieg litt die gesamte deutsche Automobilindustrie unter Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit.
Auch Dixi geriet zunehmend unter Druck.
Gleichzeitig entstand ein neuer Bedarf: Deutschland benötigte bezahlbare Kleinwagen.
Der Dixi DA1: Der Weg zum Volksautomobil
1927 präsentierte Dixi den DA1 3/15 PS.
Das Fahrzeug entstand in Lizenz des britischen Austin Seven.
Mit seinem kleinen Vierzylindermotor bot der DA1:
- günstigen Anschaffungspreis
- niedrigen Kraftstoffverbrauch
- einfache Wartung
- hohe Alltagstauglichkeit
Er gilt heute als eines der wichtigsten Fahrzeuge der deutschen Automobilgeschichte.
BMW übernimmt das Werk Eisenach
Der Erfolg des Dixi blieb auch anderen Herstellern nicht verborgen. 1928 übernahm die Bayerische Motoren Werke AG (BMW) die Fahrzeugfabrik Eisenach. Damit begann ein völlig neues Kapitel. Der Dixi DA1 wurde zunächst nahezu unverändert weitergebaut.
Bereits kurze Zeit später erschien das Fahrzeug als BMW 3/15 PS.
Damit begann die Automobilproduktion unter dem Namen BMW.
Interessanterweise wurden die ersten BMW-Automobile also nicht in München, sondern in Eisenach gefertigt.
Die Eisenacher BMW werden weltberühmt
In den dreißiger Jahren entwickelte sich Eisenach zu einem der wichtigsten BMW-Standorte. Hier entstanden zahlreiche heute legendäre Modelle.
BMW 303
1933 präsentierte BMW den 303. Er war in mehrfacher Hinsicht wegweisend. Erstmals kam der charakteristische Doppelniere-Kühlergrill zum Einsatz, der BMW bis heute prägt. Außerdem erhielt der Wagen einen neu entwickelten Reihensechszylindermotor.
BMW 315 und BMW 319
Diese Modelle bauten konsequent auf dem BMW 303 auf. Die Leistung stieg deutlich an, wodurch sich die Fahrzeuge hervorragend für lange Reisen eigneten.
BMW 326
Mit dem BMW 326 gelang BMW endgültig der Durchbruch im gehobenen Fahrzeugsegment.
Das Fahrzeug überzeugte durch:
- modernes Fahrwerk
- hydraulische Bremsen
- ausgezeichneten Fahrkomfort
- hohe Zuverlässigkeit
Der BMW 326 zählt heute zu den bedeutendsten deutschen Vorkriegsfahrzeugen.
BMW 327
1937 erschien der elegante BMW 327. Seine fließenden Karosserielinien machten ihn zu einem der schönsten deutschen Cabriolets der Vorkriegszeit. Noch heute gehört er zu den begehrtesten Sammlerfahrzeugen dieser Epoche.
BMW 328: Die Motorsportlegende
1936 präsentierte BMW den legendären 328. Der Roadster entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem der erfolgreichsten Sportwagen Europas.
Zu seinen Erfolgen gehörten unter anderem Siege bei:
- Mille Miglia
- Eifelrennen
- Le Mans (Klassenwertungen)
- zahlreichen Bergrennen
Der BMW 328 machte Eisenach weltweit bekannt.
Viele seiner technischen Lösungen beeinflussten den Sportwagenbau noch Jahrzehnte später.
Der Zweite Weltkrieg verändert alles
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die zivile Fahrzeugproduktion zunehmend eingeschränkt. Das Werk in Eisenach produzierte nun überwiegend kriegswichtige Güter. Nach Kriegsende 1945 lag die Automobilindustrie Deutschlands am Boden. Auch für das Werk in Eisenach begann eine völlig neue Epoche. Die politischen Veränderungen führten dazu, dass aus BMW später zunächst EMW, anschließend IFA und schließlich das Automobilwerk Eisenach (AWE) entstand.
Genau dort beginnt die eigentliche Geschichte des Wartburg – und damit auch die Entwicklung, die schließlich 1966 im Wartburg 353 ihren Höhepunkt fand.
Neubeginn nach dem Krieg: Vom BMW zum EMW
Als der Zweite Weltkrieg 1945 endete, lag auch das Eisenacher Automobilwerk in einer ungewissen Zukunft. Obwohl große Teile der Produktionsanlagen den Krieg vergleichsweise gut überstanden hatten, befand sich Eisenach nun in der sowjetischen Besatzungszone. Das Werk wurde zunächst von der Sowjetischen Militäradministration beschlagnahmt und später als sowjetische Aktiengesellschaft (SAG Awtowelo) geführt.
Trotz der politischen Veränderungen benötigte die Bevölkerung dringend Fahrzeuge. Gleichzeitig waren Konstruktionen, Werkzeuge und Produktionsanlagen der Vorkriegs-BMW-Modelle noch vorhanden. Daher entschied man sich, zunächst bewährte Fahrzeuge weiterzubauen. So auch einige Motorräder wie die EMW R35
Ab 1945 liefen erneut BMW 321 und später BMW 326 sowie weitere Vorkriegskonstruktionen vom Band. Allerdings unter völlig anderen politischen Rahmenbedingungen.
Der Namensstreit mit BMW
Die Bayerischen Motoren Werke hatten ihren Firmensitz nach dem Krieg in München. Das Eisenacher Werk lag dagegen in der sowjetischen Besatzungszone und produzierte weiterhin Fahrzeuge mit dem BMW-Emblem. Es kam zu einem langjährigen Markenrechtsstreit. 1952 musste das Werk schließlich den Namen BMW aufgeben.
Aus BMW wurde EMW – Eisenacher Motorenwerk
Auch das bekannte BMW-Logo wurde angepasst. Aus den blau-weißen Feldern entstanden die rot-weißen Farben des neuen Unternehmens. Technisch unterschieden sich die Fahrzeuge zunächst kaum von den bisherigen BMW-Modellen.
Heute besitzen EMW-Fahrzeuge einen besonderen Stellenwert unter Sammlern, da sie den Übergang zwischen Vorkriegs-BMW und DDR-Automobilbau dokumentieren.
Die Gründung des Automobilwerks Eisenach (AWE)
1953 erfolgte die Umstrukturierung zum VEB Automobilwerk Eisenach (AWE). Mit dieser Neuausrichtung begann die Entwicklung vollständig neuer Fahrzeugkonzepte.
Das Ziel war klar:
Die DDR benötigte ein modernes Mittelklassefahrzeug, das wirtschaftlich produziert werden konnte und sowohl den heimischen Markt als auch den Export bedienen sollte.
Eine völlige Neuentwicklung war jedoch kaum möglich. Material, Maschinen und finanzielle Mittel waren knapp.
Deshalb griffen die Konstrukteure auf bereits vorhandene Entwicklungen zurück.
Der IFA F9: der eigentliche Vater des Wartburg
Viele Oldtimerfreunde kennen den Wartburg 311 als erstes Wartburg-Modell der Nachkriegszeit. Tatsächlich reicht seine technische Geschichte jedoch deutlich weiter zurück.
Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelte die Auto Union den DKW F9. Ein damals hochmodernes Fahrzeug mit Frontantrieb, quer eingebautem Dreizylinder-Zweitaktmotor und selbsttragender Karosserie.
Durch den Krieg kam es jedoch nicht mehr zur Serienproduktion.
Nach Kriegsende gelangten Teile der Konstruktionen in die sowjetische Besatzungszone.
Darauf aufbauend entstand der:
IFA F9
Der IFA F9 war gewissermaßen das Bindeglied zwischen Vorkriegsentwicklung und Wartburg.
Technische Besonderheiten
Für die frühen 1950er-Jahre war der F9 erstaunlich modern.
Merkmal | IFA F9 |
Motor | Dreizylinder-Zweitakter |
Hubraum | 900 cm³ |
Leistung | 28 PS |
Antrieb | Frontantrieb |
Getriebe | Viergang-Handschaltung |
Karosserie | Pontonform |
Vor allem der Frontantrieb brachte deutliche Vorteile:
- mehr Platz im Innenraum
- gute Traktion
- geringes Fahrzeuggewicht
- einfache Konstruktion
Viele technische Lösungen wurden später nahezu unverändert im Wartburg übernommen.
Warum setzte AWE auf den Zweitaktmotor?
Aus heutiger Sicht wirkt der Dreizylinder-Zweitakter ungewöhnlich. In den 1950er-Jahren war diese Bauart jedoch keineswegs veraltet.
Der Zweitaktmotor bot mehrere entscheidende Vorteile.
Einfacher Aufbau
Ein Viertaktmotor besitzt:
- Ventile
- Nockenwelle
- Steuerkette oder Zahnriemen
- Ventilfedern
All diese Bauteile entfallen beim Zweitaktmotor.
Dadurch bestand der Wartburg-Motor aus deutlich weniger beweglichen Teilen.
Die Vorteile:
- einfache Wartung
- geringe Produktionskosten
- hohe Zuverlässigkeit
- geringes Gewicht
- Hohe Laufruhe
Der Wartburg-Motor verfügte über drei Zylinder. Dadurch arbeitete er deutlich ruhiger als die Zweizylinder-Triebwerke des Trabant. Sein charakteristischer Klang machte ihn unverwechselbar. Viele Liebhaber erkennen einen Wartburg allein am Motorgeräusch.
Gute Leistungsentfaltung
Obwohl die Motorleistung auf dem Papier gering erscheint, überzeugte der Dreizylinder durch ein für seine Zeit gutes Drehmoment. Besonders im unteren Drehzahlbereich ließ sich der Wartburg angenehm fahren. Der Motor galt als elastisch und vergleichsweise durchzugsstark.
1956 – Die Geburt des Wartburg 311
Am 1. Mai 1956 begann offiziell ein neues Kapitel der Eisenacher Automobilgeschichte. Der neue Wagen erhielt bewusst wieder den traditionsreichen Namen Wartburg. Damit knüpfte das Automobilwerk Eisenach an seine Ursprünge von 1898 an.
Der neue Typ hieß:
Wartburg 311
Einen solchen hat ein Freund als Scheunenfund entdeckt. Diese Geschichte durfte ich begleiten. Das gute Stück ist seit kurzem wieder auf der Straße unterwegs. Besonders die Historie des Wagens ist spannend. Ausgeliefert im Jahre 1965 als Wartburg 311 Coupe, wurde er nach wenigen Jahren zur Limousine umgebaut. Der Erstbesitzer war ein VEB (volkseigener Betrieb) und benötigte vermutlich einen Viertürer. Später erfuhr er einen erneuten Umbau. Neuer Rahmen mit dem neuen Fahrwerk (Schraubenfedern) und Karosserie mit den entsprechenden Änderungen für das Fahrwerk. Dazu ein neuer Motor. Laut Papieren wurde er dann als Wartburg 312 zugelassen. Mehr dazu liest Du im Artikel.
Der Wartburg 311 – ein Meilenstein des DDR-Automobilbaus
Optisch hatte der Wartburg 311 mit dem IFA F9 nur noch wenig gemeinsam. Die elegante Pontonkarosserie orientierte sich an internationalen Designtrends der 1950er-Jahre. Geschwungene Kotflügel, viel Chrom und eine großzügige Verglasung verliehen dem Fahrzeug ein modernes Erscheinungsbild. Gerade im Vergleich zu vielen anderen Fahrzeugen des Ostblocks wirkte der Wartburg überraschend elegant.
Technische Daten des Wartburg 311
Merkmal | Wartburg 311 |
Bauzeit | 1956–1965 |
Motor | Dreizylinder-Zweitakt |
Hubraum | 900 cm³ (ab 1962: 992 cm³) |
Leistung | 37–45 PS |
Getriebe | Viergang |
Antrieb | Frontantrieb |
Höchstgeschwindigkeit | Bis ca. 125 km/h |
Für die damalige Zeit bot der Wartburg beachtliche Fahrleistungen.
Der Wartburg 1000
1962 erhielt der bekannte Dreizylinder eine wichtige Überarbeitung. Der Hubraum wuchs von 900 auf 992 cm³. Damit stieg die Leistung auf rund 45 PS.
Seitdem wurde der Wagen häufig als Wartburg 1000 bezeichnet.
Der größere Motor sorgte für:
- bessere Beschleunigung
- höhere Elastizität
- größere Endgeschwindigkeit
- angenehmeres Reisen
Gerade auf langen Strecken war dieser Leistungsschub deutlich spürbar.
Eine erstaunlich große Modellvielfalt
Der Wartburg 311 wurde nicht nur als Limousine gebaut. Das Automobilwerk Eisenach entwickelte eine außergewöhnlich breite Modellpalette.
Unter anderem entstanden:
Variante | Besonderheit |
Limousine | meistgebautes Modell |
Coupé | elegante Sportversion |
Cabriolet | seltene offene Ausführung |
Camping-Limousine | große Heckklappe |
Kombi | hoher Nutzwert |
Pickup | Gewerbeversion |
Kübelwagen | militärische Nutzung |
Krankenwagen | Spezialfahrzeug |
Für einen Hersteller der DDR war diese Vielfalt außergewöhnlich. Heute zählen insbesondere Coupés und Cabriolets zu den begehrtesten Wartburg-Modellen überhaupt.
Der Wartburg im Export
Der Wartburg wurde keineswegs nur innerhalb der DDR und der damaligen sozialistischen Länder verkauft. Bereits der 311 entwickelte sich zu einem wichtigen Exportfahrzeug.
Er wurde unter anderem geliefert nach:
- Belgien
- Niederlande
- Finnland
- Schweden
- Dänemark
- Österreich
- Griechenland
- Großbritannien
Sogar außerhalb Europas fand der Wartburg Käufer.
Die Exporterlöse waren für die DDR-Wirtschaft von großer Bedeutung.
Warum ein Nachfolger notwendig wurde
Anfang der 1960er-Jahre zeigte sich jedoch zunehmend, dass die Technik des Wartburg 311 modernisiert werden musste.
Zwar war der Motor mehrfach verbessert worden, doch das Fahrwerk entsprach nicht mehr dem internationalen Stand der Technik. Vor allem die separate Rahmenkonstruktion stammte noch aus den frühen Entwicklungsjahren.
Die Ingenieure in Eisenach entschieden sich deshalb für einen wichtigen Zwischenschritt:
den Wartburg 312.
Er sollte weit mehr werden als nur eine Modellpflege – vielmehr diente er als technisches Versuchsfeld für den späteren Wartburg 353.
Genau dieses oft unterschätzte Übergangsmodell bildet den entscheidenden Schritt auf dem Weg zum „Dreidreiundfünfzig“.
Im zweiten Teil der Geschichte berichte ich über die Entwicklung des Wartburg 353 bis hin zum Ende der Legende. Auch auf die technische Entwicklung werde ich detailliert eingehen.
FAQ
Wann wurde der erste Wartburg-Motorwagen gebaut?
Der erste Wartburg-Motorwagen entstand 1898 in Eisenach. Die Fahrzeugfabrik Eisenach hatte bereits 1896 ihre Produktion aufgenommen und fertigte zunächst Fahrzeuge nach einer Lizenz des französischen Herstellers Decauville. Der Wartburg-Motorwagen basierte auf dieser Konstruktion und erhielt seinen Namen nach der berühmten Wartburg oberhalb von Eisenach.
Der Wagen besaß einen kleinen Motor und war nach heutigen Maßstäben technisch sehr einfach aufgebaut. Dennoch markierte er den Beginn einer Automobiltradition, die Eisenach über Jahrzehnte zu einem bedeutenden deutschen Fahrzeugstandort machen sollte. Nach dem Ende der ursprünglichen Wartburg-Produktion wurde die Marke zunächst durch Dixi abgelöst. Über die Stationen Dixi, BMW, EMW und IFA führte die Entwicklung schließlich viele Jahrzehnte später wieder zum Namen Wartburg zurück.
Wie entstand der Wartburg 311?
Der Wartburg 311 entstand aus der Weiterentwicklung des IFA F9, dessen technische Wurzeln wiederum auf eine Vorkriegskonstruktion der Auto Union zurückgingen. Das Automobilwerk Eisenach entwickelte daraus ein eigenständigeres Fahrzeug mit einer modernen Pontonkarosserie und führte 1956 den traditionsreichen Namen Wartburg wieder ein.
Der 311 besaß einen Dreizylinder-Zweitaktmotor mit 900 cm³ Hubraum, Frontantrieb und ein Vierganggetriebe. Im Laufe seiner Bauzeit wurde der Motor auf 992 cm³ vergrößert; diese Ausführung wurde als Wartburg 1000 bekannt.
Besonders bemerkenswert war die große Karosserievielfalt. Neben der Limousine entstanden unter anderem Kombi-, Coupé- und Cabrioletvarianten sowie verschiedene Sonderaufbauten. Der Wartburg 311 entwickelte sich dadurch zu einem wichtigen Fahrzeug für den DDR-Markt und zu einem erfolgreichen Exportmodell.
Was war der Unterschied zwischen Wartburg 311 und Wartburg 312?
Der Wartburg 312 war das entscheidende Übergangsmodell zwischen dem Wartburg 311 und dem späteren Wartburg 353. Äußerlich ähnelte er weiterhin dem 311, technisch verfügte er jedoch bereits über wesentliche Komponenten des zukünftigen 353.
Die wichtigste Neuerung war die neue Bodengruppe mit modernisiertem Fahrwerk. Anstelle der bisherigen Konstruktion des 311 erhielt der 312 unter anderem eine überarbeitete Radaufhängung und eine deutlich modernere Fahrwerksbasis. Diese Technik wurde anschließend beim Wartburg 353 weiterverwendet.
Der 312 war deshalb für die Entwicklungsgeschichte des 353 von großer Bedeutung: Er verband die bewährte Karosserie und Antriebstechnik des Wartburg 311 mit der neuen technischen Basis des kommenden Wartburg 353. Für Oldtimerfreunde ist er heute besonders interessant, weil er eine seltene Übergangsphase der Eisenacher Automobilentwicklung dokumentiert.










