Neues zum Scheunenfund Wartburg 311/312!

 

Ausfahrt im Wartburg Oldtimer

 

Einige Monate ist es bereits her, dass ich über einen Scheunenfund (Wartburg 311/312) berichtet habe. Das gute Stück hat eine interessante Geschichte und kam, wie ich damals schon erwähnte, in gute Hände. Der Verkäufer (ein Freund von mir) und auch der neue Besitzer sind glücklich über den Handel. So sollte ein Oldtimerverkauf laufen! In den letzten Monaten wurde der Wartburg repariert (nicht restauriert) und erhielt problemlos das H-Kennzeichen. Nun durfte ich den alten Eisenacher bei seiner neuen Familie besuchen. Vor Ort befand sich nicht nur der Wartburg, sondern noch einige weitere Schmuckstücke. Mein Highlight: Ich durfte den Scheunenfund selbst fahren!

 

Wechselvolle Geschichte des Wartburg 311/312

 

Wartburg 311 Oldtimer Scheunenfund

 

Das gute Stück hat seit seiner Neuauslieferung im Jahre 1964 so einige Transformationen hinter sich. Der Erstbesitzer war ein VEB (Volkseigener Betrieb) in der damaligen DDR. Dazu muss erwähnt werden, dass die Betriebe Autos nicht nach eigenem Gutdünken anschaffen durften. Und schon gar nicht wählen, was genau in den Fuhrpark kam. Es hieß: Nehmen, was kommt, und das Beste daraus machen. Der Wunsch des Betriebes war scheinbar eine viertürige Limousine, um Mitarbeiter zu transportieren. Bekommen hat er ein Wartburg 311 Coupé.

Heute würde wohl niemand auf den Gedanken kommen, aus dem wunderschönen Wartburg 311er-Coupé eine schnöde Limousine zu machen. Doch damals lief es anders. Genau dies geschah. Kurz nach der Anschaffung wurde der Wartburg mit einer neuen Karosserie ausgestattet. Sie hatte bereits die Vorbereitungen für das neue Fahrwerk (vom späteren 353er Wartburg). In diesem Zuge schien er auch gleich einen neuen Rahmen mitsamt Schraubfederfahrwerk erhalten zu haben. Tatsächlich wurde er auch als Wartburg 312 zugelassen. 1968 erhielt er auch einen neuen Motor.

Der Wartburg blieb bis 1981 beim selben Betrieb, nur in anderen Zweigstellen. Zuerst Berlin, dann Halle (Saale). Dann wurde er ausgemustert und für kleines Geld an einen Mitarbeiter verkauft.

Solch eine Geschichte ist für Oldtimer aus der früheren DDR gar nicht so selten. Häufig wurden beispielsweise Limousinen zum Kombi umgebaut. Damals galt: Praktischer Nutzen geht vor Optik. Was diesen Wartburg aber doch zu einer Seltenheit macht, vom Coupe zur Limousine und vom 311er zum 312er. Ab 1996 stand der Oldtimer trocken und fast vergessen in einer Garage, wo er 2026 ein neues Leben begann.

 

Keine bösen Überraschungen am Scheunenfund!

 

Motorraum Wartburg 311/312 Oldtimer

 

Ich hatte seit dem Verkauf recht regelmäßig Kontakt mit dem neuen Besitzer. Meine Einschätzung und Beschreibung des Oldtimers war, wie es scheint, korrekt. Natürlich mussten einige Dinge repariert werden. Nach so langer Standzeit waren die Bremsen zu machen, der Tank zu entrosten und der Vergaser zu reinigen (er wurde letztlich gegen einen mitgegebenen ersetzt). Auch am Fahrwerk waren ein paar Dinge zu tun.

 

Reparatur Wartburg Oldtimer

 

  • Bremse komplett (Trommeln blieben)
  • Tank entrostet und gereinigt
  • Vergaser gereinigt
  • Traggelenke
  • Getriebeöl erneuert
  • Benzinpumpe vorsorglich gewechselt
  • Traggelenke rundum
  • Zündanlage
  • Tankanzeige
  • Heizungsventil (noch in Arbeit)
  • Justierung Scheibenwischergestänge (Fummelei)
  • Elektrik (Beleuchtung funktionierte nicht)
  • Abgegriffenes Lenkrad erneuert
  • Zündschloss
  • Unterbodenschutz erneuern
  • Brems- und Kühlwasserschläuche neu

 

Fahrwerk Federbein Wartburg Oldtimer

Bremszylinder Wartburg 312 Trommelbremse Wartburg 311/312 Oldtimer Fahrwerk Wartburg 312 Scheunenfund Reparatur Wartburg 311/312 Unterbodenschutz Wartburg 311 Oldtimer Vergaserschwimmer Wartburg Oldtimer

 

Rost war und ist kein großes Thema. Einzig links und rechts unten an der Spritzwand mussten Reparaturbleche eingesetzt werden.

Die nächsten Baustellen sind eher kosmetischer Art. Der Innenraum soll eine Überarbeitung bekommen. Vor allem die Sitzbezüge sollen erneuert werden.

 

Besuch bei stolzen Wartburg-Besitzern

 

Treffen mit Oldtimerfreunden

 

Vor ein paar Tagen besuchte ich den neuen Besitzer des Scheunenfundes im Mansfelder Land. Bei feinstem Sommerwetter (etwa 36 Grad und kein Wölkchen am Himmel) kam ich mit meinem Motorrad dort an. Mich erwartete nicht nur der (nun polierte und reparierte) Wartburg. Nein, ein zweiter Wartburg (353) stand ihm brüderlich zur Seite. Auf der anderen Seite des Hofes eine Reihe Oldtimer-Motorräder in hervorragendem Zustand. Eine MZ BK 350, eine Simson AWO 425, eine JAWA 350 und zwei Simson-Mopeds.

 

BK 358, Jawa 350, Simson AWO 425, Simson S51 Moped

 

Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, die Schmuckstücke erst einmal zu begutachten. Nach der Begrüßung waren recht ausgiebige Benzingespräche mit Gerd, seinem Vater und einem Freund (Besitzer des 353) an der Tagesordnung. Einiges erfuhr ich über die Reparaturarbeiten am grünen Wartburg. Auch Anekdoten aus früheren Zeiten kamen nicht zu kurz. Das Ganze natürlich gut geschützt vor der gleißenden Sonne. Später wurde auch der Grill gezündet und wir genossen leckere Steaks und Würstchen. Nach einer ausgiebigen Gesprächsrunde und abschließend Kaffee und Kuchen ließen wir uns eine kleine Ausfahrt mit den beiden Eisenacher Oldtimern nicht nehmen.

 

Mit Wartburg-Oldtimern unterwegs im Mansfelder Land

 

Wartburg 311 fahren

 

Das Highlight für mich: Ich durfte den Wartburg 311 selbst fahren. Wegen der Schaltung musste ich Gerd sicherheitshalber noch einmal fragen. Den letzten 311er bin ich 1990 gefahren. Und es gilt eines zu beachten: Es gab verschiedene Getriebe für dieses Auto. Das Auto hatte ja bereits zu DDR-Zeiten einige Umbauten erlebt und war nicht mehr mit dem ersten Getriebe ausgestattet. Die aktuelle Schaltbox ist bereits eine vom Wartburg 353. Hier liegen die Gänge in umgekehrter Reihenfolge zum alten Modell. Ab 1967 wurden diese vollsynchronisierten Getriebe mit Freilauf verwendet.

 

Wartburg 353 S und 311

 

Aber zurück zum Thema. Es war ein tolles Gefühl, nach so vielen Jahren wieder am Steuer eines Wartburg 311 zu sitzen und ihn zu starten. Ja, vor einigen Monaten saß ich schon einmal auf diesem Sitz. Da war er jedoch noch nicht fahrtüchtig und weit von der Wiederzulassung entfernt. Nun sind H-Kennzeichen montiert und es darf offiziell auf die Straße gehen.

 

Ich und der Scheunenfund

 

Der Motor (er selbst hat keine Reparaturen benötigt und läuft sehr sauber) sprang sofort an. Nur wenig mehr als 20 Meter nach der Abfahrt, die erste kleine Kreuzung. Ups, wenn man über viele Jahre modernere Autos fuhr, ist man natürlich eine andere Bremsleistung gewohnt. Aber kein Problem, ich ließ es langsam angehen und brachte den Wagen trotzdem sicher zum Verzögern. Es ist schon eine völlig andere Welt. Trommelbremsen rundum und keine Servounterstützung.

Nach wenigen Kilometern habe ich mich an das neue alte Fahrgefühl gewöhnt und fühlte mich in meine jungen Jahre zurückversetzt. Zeitreise in meine Jugend! Ein wunderbares Gefühl, welches mir ein breites Freudestrahlen ins Gesicht zauberte. Eine kleine bot sich an, beide Wartburgs auf einem Bild festzuhalten. Und ein Bild vom Scheunenfund mit mir war auch noch drin. Dann ging es gemütlich zurück.

 

Rückkehr, Abschied und Verabredung zur OLTEMA

 

 

Ein paar kleine Störungen traten bei beiden Wartburgs auf. Ich vermute, dass es an der Hitze lag. Der Motor bereits auf Betriebstemperatur und dann noch die heiße Luft durch den Luftfilter. Der 353 hatte nach der Pause etwas Startschwierigkeiten. Der Wartburg 311 sprang an, ging aber einige Male bergab im Standgas aus. Fing sich aber nach wenigen Kilometern wieder. Sonst rollte er wunderbar. Kein Klappern und Scheppern, für ein so altes Auto eine sehr schöne Straßenlage und der typische schöne Klang des Dreizylinders. Da braucht es kein Radio.

Zurück auf dem Hof gab es noch eine nette Gesprächsrunde mit allerlei Fachsimpelei. Auch die Dame des Hauses gesellte sich dazu und schwärmte für den 311er. Sie fährt ihn nicht selbst, aber sehr gern mit. Sie und die Tochter schlafen regelmäßig nach 10 Minuten Fahrt ein. Das liegt wohl am sänftenartigen Fahrverhalten und an den wirklich bequemen Sitzen. Ihr hat der Wartburg vermutlich auch die Verschönerung des Cockpits zu verdanken. Die Blümchen passen sehr gut dahin.

 

Cockpit Wartburg 311/312 Oldtimer

 

Am späten Nachmittag verabschiedete ich mich von allen. Wir werden wohl in Kontakt bleiben. Das nächste Treffen ist bereits geplant. Die OLTEMA in Leipzig (06.09.2026). Ich freue mich drauf!

Hast Du auch einen DDR-Klassiker, der ähnliche Umbauten erlebt hat? Schreib es gern in die Kommentare!

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