Oldtimer restaurieren – Traum oder Wahnsinn?
Einen Oldtimer zu restaurieren, ist für viele Autofans der Inbegriff eines erfüllenden Hobbys. Statt nur einen Klassiker zu fahren, kannst Du ihn selbst wieder zum Leben erwecken. Doch ein Restaurationsprojekt ist kein spontanes Wochenendvorhaben. Es erfordert Planung, Zeit, Geduld und häufig auch ein ordentliches Budget. Gleichzeitig bietet kaum ein Projekt so viel Zufriedenheit wie die Wiederbelebung eines historischen Fahrzeugs. Wenn Du Dein Projekt sorgfältig angehst, kannst Du aus einem vernachlässigten Fahrzeug wieder einen zuverlässigen Klassiker machen. In diesem Artikel erfährst Du, wie Du einen Oldtimer restaurieren kannst – von der Auswahl des richtigen Fahrzeugs über Karosseriearbeiten bis hin zur Motorüberholung.
Bevor Du überhaupt beginnst, solltest Du Dir eine wichtige Frage stellen:
Möchtest Du einen Oldtimer restaurieren – oder lieber einen bereits restaurierten Oldtimer kaufen?
Beide Optionen haben Vor- und Nachteile.
Oldtimer kaufen und restaurieren
Der Vorteil eines Restaurationsprojekts ist klar:
- Du lernst Dein Fahrzeug vollständig kennen.
- Du kannst Kosten durch Eigenleistung reduzieren.
- Du bestimmst selbst den Restaurationsstandard.
Der Nachteil:
Eine Restaurierung kann schnell teuer werden. Durchschnittlich liegen die Kosten für eine Oldtimer-Restaurierung laut Experten häufig zwischen etwa 16.000 und 45.000 Euro, inklusive Werkzeugen, Materialien und Fahrzeugkosten.
Restaurierten Oldtimer kaufen
Ein fertiger Klassiker spart Zeit, ist aber meist deutlich teurer. Außerdem weißt Du nicht immer, wie sorgfältig die Restaurierung durchgeführt wurde.
Viele Oldtimerfans entscheiden sich deshalb bewusst für ein Projektfahrzeug.
Warum überhaupt einen Oldtimer restaurieren?
Viele Menschen entscheiden sich bewusst dafür, einen Oldtimer zu restaurieren, statt einen perfekt erhaltenen Klassiker zu kaufen. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Zum einen sind vollständig restaurierte Fahrzeuge oft deutlich teurer. Wer ein Projektfahrzeug kauft, kann mit Geduld und Eigenleistung Geld sparen. Zum anderen ist die Restaurierung eines Oldtimers eine echte Liebesarbeit. Das Gefühl, ein altes Auto Schritt für Schritt wieder aufzubauen, ist für viele Enthusiasten der eigentliche Reiz des Hobbys. Die Eigenleistung fördert das Verständnis für die Technik und macht stolz auf das Erreichte.
Allerdings solltest Du Dir bewusst sein: Eine komplette Restaurierung ist zeitaufwendig. Für eine vollständige Wiederherstellung eines Fahrzeugs müssen häufig rund 1.000 Arbeitsstunden oder mehr eingeplant werden.
Wie viel kostet es, einen Oldtimer zu restaurieren?
Die Kosten für eine Restaurierung hängen stark vom Zustand und Typ des Fahrzeugs ab.
Typische Kostenpunkte
Restaurationsabschnitt | Durchschnittliche Kosten |
Gutachten und Zustandserfassung | 300–800 Euro |
Karosseriearbeiten | 2.000–8.000 Euro |
Lackierung | 3.000–10.000 Euro |
Technik und Motor | 2.500–12.000 Euro |
Innenraum | 1.000–5.000 Euro |
Je nach Modell und Zustand kann die Restaurierung sogar deutlich teurer werden. Komplettrestaurierungen liegen teilweise zwischen 15.000 und 150.000 Euro.
In Extremfällen können Restaurierungen sogar sechsstellige Beträge erreichen – insbesondere bei sehr seltenen Fahrzeugen.
Der erste Schritt: den richtigen Oldtimer kaufen
Bevor Du mit der Restaurierung beginnen kannst, musst Du natürlich erst einmal einen passenden Klassiker finden. Der Schritt „Oldtimer kaufen“ entscheidet oft über Erfolg oder Frust des gesamten Projekts.
1. Realistisch bleiben
Viele Anfänger unterschätzen den Aufwand. Ein extrem günstiger Oldtimer kann schnell zur Kostenfalle werden, wenn Rost, fehlende Teile oder ein zerstörter Motor hinzukommen.
Deshalb gilt eine einfache Regel:
- Ein günstiger Kaufpreis bedeutet nicht automatisch ein günstiges Restaurationsprojekt.
Manchmal ist ein etwas teureres, aber vollständiges Fahrzeug langfristig die bessere Wahl.
2. Ersatzteilversorgung prüfen
Nicht jedes Modell eignet sich als Restaurationsobjekt. Wichtig ist eine gute Ersatzteilversorgung. Besonders beliebt bei Restaurationsprojekten sind Fahrzeuge, für die es
- aktive Oldtimerclubs
- gute Teilehändler
- viele Gebrauchtteile
- Reparaturhandbücher
gibt.
3. Rost genau prüfen
Rost ist der größte Feind jedes Oldtimers. Oft versteckt er sich an Stellen, die man nicht sofort sieht. Besonders gefährdet sind:
- Schweller
- Radläufe
- Türunterseiten
- Scheibenrahmen
- Unterboden
- Kofferraumboden
- Spritzwand
- Federbeindome
Rost kann sich lange unbemerkt entwickeln, da Wasser häufig in Hohlräume eindringt und dort Schaden anrichtet. Meist entsteht Rost dort, wo eingedrungenes Wasser nicht ablaufen kann. Um unzugängliche Stellen begutachten zu können empfiehlt sich der Einsatz eines Endoskopes.
4. Suche nach Unfallschäden und schlechten Reparaturen
Auf den ersten Blick mag der Oldtimer gut dastehen. Der Lack glänzt, keine groben Beschädigungen zu entdecken. Nicht selten stellt sich bei den Restaurierungsarbeiten heraus, dass Durchrostungen oder Unfallschäden mit viel Spachtelmasse kaschiert wurden. Hier empfiehlt sich der Einsatz eines Lackdickenmessers. Werte über 300 µm (Mikrometer) weisen auf eine Nachlackierung hin. Ausnahmen finden sich bei Vorkriegsklassikern. Bei diesen sind die Lack-/Füllerschichten dicker als heutzutage. Auch amerikanische Oldtimer der 1960er und 1970er Jahre unterliegen großen Schwankungen. Liegt der Messwert gar jenseits der 600 µm, ist mit sehr großer Sicherheit Spachtelmasse die Ursache. Mehr über dieses Thema gibt es in einem späteren Artikel in diesem Oldtimer-Blog.
Auch am Unterboden und am Kofferraumboden sowie an den Stoßfängeraufnahmen sollte akkurat nach Verformungen gesucht werden.
5. Historie
Eine belegbare und nachvollziehbare Historie des Oldtimers wirkt sich wertsteigernd aus. Mit Kaufvertrag, alten Versicherungsnachweisen, Reparaturrechnungen und TÜV-Berichten lassen sich Kilometerstand und Geschichte gut beweisen. Beim Import von Oldtimern aus den USA sollten Sie sich unbedingt den sogenannten „Title“ geben lassen. Liegt ein „Salvage Title “ vor, handelt es sich um einen Unfallschaden. Auch ein Blick in das Register „Carfax“ ist hilfreich. Hier werden alle Fahrzeuge, die seit 1981 importiert wurden, erfasst. Nach Eingabe der 17-stelligen Fahrgestellnummer erscheinen Informationen wie
- Totalschaden
- schwere Unfälle
- Zahl der Vorbesitzer
- Airbagauslösungen
- Tachomanipulationen
- Wasser- und Feuerschäden
- Diebstahl
- Serviceintervalle
Zum Thema Kauf von Oldtimern und Import von Oldtimern wirst Du ebenfalls bald ausführliche Artikel in meinem Oldtimer-Blog finden.
Planung: Ohne Vorbereitung wird die Restaurierung teuer
Viele Restaurationsprojekte scheitern nicht an der Technik – sondern an schlechter Planung.
Zeit einplanen
Eine komplette Restaurierung kann Monate oder sogar Jahre dauern. Wenn Du nur gelegentlich Zeit hast, solltest Du Dein Projekt entsprechend planen. Vergiss nicht: Ein Restaurationsprojekt sollte nicht zwischen Dir, Deiner Familie und Freunden stehen! Es ist und bleibt ein Hobby! Vielleicht hast Du ja Kinder, die Du hinzunehmen möchtest. So wird das Ganze zu einem spannenden Familienprojekt.
Budget festlegen
Ein realistisches Budget ist entscheidend. Dazu gehören:
- Kaufpreis des Fahrzeugs
- Ersatzteile
- Werkzeug
- Lackierung
- Spezialarbeiten (z. B. Motor überholen)
Werkstatt oder Garage
Eine Restaurierung ist schwer umzusetzen, wenn Du nur eine kleine Garage oder einen Stellplatz hast. Für viele Arbeiten müssen Teile ausgebaut und gelagert werden.
Eine gute Restaurationswerkstatt sollte bieten:
- ausreichend Platz
- gute Beleuchtung
- stabile Werkbank
- Stromanschluss
- Platz für Teilelagerung
Schritt für Schritt: So läuft eine Oldtimer-Restaurierung ab
Eine Restaurierung folgt meist einem typischen Ablauf.
1. Bestandsaufnahme
Zuerst solltest Du den Zustand des Fahrzeugs genau analysieren.
Wichtige Fragen sind:
- Ist der Motor noch funktionsfähig?
- Gibt es strukturelle Rostschäden?
- Ist die Elektrik vollständig?
- Fehlen wichtige Teile?
Je genauer Du den Zustand kennst, desto besser kannst Du den Aufwand planen.
2. Demontage
Bei einer vollständigen Restaurierung wird das Fahrzeug in der Regel komplett zerlegt. Dabei solltest Du unbedingt:
- alle Teile beschriften
- Fotos machen
- Schrauben sortieren
- Dokumentation anlegen
Das hilft später enorm beim Zusammenbau.
Gerade bei der Montage bleiben gern einige Schrauben übrig. Ich habe mir angewöhnt, diese bei der Demontage im vorgesehenen Gewinde leicht einzudrehen. Bei der Zerlegung komplexer Teile ist es hilfreich, auf Pappe zurückzugreifen. Einfach die Lage der Einzelteile an der richtigen Stelle aufzeichnen und die Teile dort befestigen/durchstecken.
Oldtimer reparieren – Technik wieder zum Leben erwecken
Bevor der Oldtimer wieder fahren kann, müssen zahlreiche technische Komponenten überprüft oder repariert werden.
Festgefressene Bauteile
Wenn ein Fahrzeug lange gestanden hat, sind viele Teile fest oder korrodiert. Besonders betroffen sind:
- Bremsen
- Lager
- Kolben
- Ventile
Versuche es nicht gleich mit den schwersten Waffen. Auch wenn es schwerfällt: „Gut Ding will Weile haben“. Bevor der große Hammer oder die Flex zum Einsatz kommen, solltest Du es mit entsprechenden Rostlösern, Hitze oder (und) Kälte probieren. Fachkundige Hilfe gibt es in den einschlägigen Internetforen.
Auch Flüssigkeiten wie Bremsflüssigkeit oder Getriebeöl müssen regelmäßig gewechselt werden, sonst können Bauteile beschädigt werden.
Oldtimer-Motor überholen
Der Motor ist das Herz jedes Fahrzeugs. Bei vielen Restaurationsprojekten ist eine komplette Motorüberholung notwendig. Eine Kompressionsprüfung kann vorab Aufschluss über den Zustand des Motors geben.
Typische Arbeiten sind:
- Zylinderkopf überarbeiten
- Ventile einstellen oder ersetzen
- Kolbenringe erneuern
- Kurbelwelle prüfen
- Lager ersetzen
- Dichtungen und Simmerringe tauschen
- Zahnriemen und Keilriemen erneuern
Auch wenn es heißt „Never touch a running system!“ ist es bei den meisten Oldtimern unumgänglich, den Motor neu abzudichten und die Riemen und Schläuche zu wechseln.
Auch das Einstellen der Zündung gehört zu den klassischen Arbeiten bei alten Motoren. Zu einem gesunden Motor gehört auch ein gesundes Kraftstoffsystem. Viele Oldtimer werden nach langer Standzeit restauriert. Verharzter Kraftstoff kann für Probleme sorgen. Eine intensive Reinigung des Tanks und des gesamten Kraftstoffsystems sollte unbedingt erfolgen!
Eine Motorüberholung kann sehr aufwendig sein. Deshalb entscheiden sich viele Oldtimerbesitzer dafür, diese Arbeit von spezialisierten Motorenbauern durchführen zu lassen.
Elektrik prüfen und erneuern
Die Elektrik ist eine häufig unterschätzte Schwachstelle bei Oldtimern.
Typische Probleme:
- poröse Kabel
- korrodierte Steckverbindungen
- defekte Relais
- beschädigte Kabelbäume
Auch Tiere können Schaden anrichten – beispielsweise Mäuse, die Kabel anknabbern.
Hier hilft oft nur eine komplette Überprüfung der gesamten Elektrik.
Karosseriearbeiten – Rost bekämpfen
Kaum ein Oldtimer kommt ohne Karosseriearbeiten aus.
Typische Aufgaben sind:
- Rost entfernen
- Bleche ersetzen
- Schweißen
- Spachteln
- Schleifen
Ein häufiger Fehler bei Restaurierungen ist zu viel Spachtelmasse. Wenn Rost stark fortgeschritten ist, sollte das beschädigte Blech lieber herausgetrennt und durch ein Reparaturblech ersetzt werden.
Oldtimer lackieren – Glanz wie am ersten Tag
Nach den Karosseriearbeiten folgt einer der sichtbarsten Schritte der Restaurierung: das Oldtimer lackieren.
Eine hochwertige Lackierung besteht aus mehreren Schritten:
- Grundierung
- Füller
- Schleifen
- Lackieren
- Klarlack
Viele Hobbyrestauratoren unterschätzen diesen Arbeitsschritt. Für perfekte Ergebnisse sind professionelle Lackierkabinen mit Absaug- und Trocknungsanlagen notwendig. Schon kleinste Staubpartikel in der Luft können das Ergebnis zunichtemachen. Auch der kleine Hobby-Kompressor könnte zu schwach sein, um einen gleichmäßigen Lackauftrag zu gewährleisten. Lässt der Druck nach, fliegen die dicken Tropfen und verursachen die gefürchteten Lackläufer.
Deshalb lassen viele Besitzer diesen Schritt von einer Fachwerkstatt durchführen.
Innenraum restaurieren
Der Innenraum ist entscheidend für das Gesamtbild eines restaurierten Oldtimers.
Typische Arbeiten sind:
- Polster erneuern oder aufarbeiten
- Teppiche ersetzen
- Armaturen restaurieren
- Dachhimmel erneuern
- Chromteile und Holzeinlagen aufarbeiten
Auch kleine Details wie Schalter, Zierleisten oder Chromteile tragen stark zum Originalcharakter bei. Viele Oldtimerbesitzer stehen vor dem Problem, dass besonders Sonderausstattungen des Innenraums kaum noch zu bekommen sind. Das ist nicht nur bei Vorkriegsklassikern der Fall. Selbst Youngtimer sind oft betroffen. Ich erinnere mich, dass ich ganze 4 Jahre intensiv gesucht habe, um die originale Dolby-Surround-Anlage meines damaligen Volvo V70 1 zu komplettieren. Der Centerlautsprecher war für den Linkslenker weltweit kaum erhältlich. Für rechtsgelenkte Modelle hingegen schon. Letztendlich fand ich mein gesuchtes Teil durch Zufall bei einem niederländischen Verwerter.
Originalität oder Modernisierung?
Bei der Restaurierung stellt sich oft eine Grundsatzfrage:
Soll der Oldtimer original bleiben oder modernisiert werden?
Puristen bevorzugen eine möglichst originalgetreue Restaurierung. Jede Schraube sollte dem Original entsprechen.
Andere Besitzer setzen auf kleine Verbesserungen, etwa:
- modernere Bremsen
- bessere Beleuchtung
- versteckte elektronische Zündung
- modernes Radio hinter Retro-Verkleidung
- Diebstahlsicherung
Originalität kann den Wert eines Oldtimers erhöhen, aber letztlich sollte das Fahrzeug auch zu Deinen eigenen Vorstellungen passen.
Oldtimer-Patina – behalten oder entfernen?
Nicht jeder Klassiker muss perfekt glänzen.
Viele Oldtimerfans lieben Oldtimer Patina – also sichtbare Gebrauchsspuren, die die Geschichte des Fahrzeugs erzählen.
Typische Patina:
- matte Lackstellen
- leichte Rostspuren
- gealtertes Leder
- kleine Kratzer
- sichtbare Nutzung des Innenraums (Lenkrad)
Manche Fahrzeuge wirken mit Patina authentischer als nach einer Vollrestaurierung.
Die Entscheidung hängt davon ab:
- Zustand des Fahrzeugs
- Seltenheit des Modells
- persönliche Vorlieben
Mit dem Thema Patina bei Oldtimern habe ich mich in einem separaten Artikel beschäftigt.
Zusammenbau – Geduld zahlt sich aus
Der Zusammenbau ist oft der längste Abschnitt einer Restaurierung.
Jetzt zeigt sich, wie wichtig gute Dokumentation ist. Fotos und Beschriftungen helfen enorm, wenn Du Monate später versuchst, ein bestimmtes Bauteil wieder einzubauen.
Besonders wichtig:
- Drehmomente einhalten
- Schrauben sichern
- Kabel sauber verlegen
Kontrolliere lieber dreimal, ob ein Bauteil wirklich richtig verbaut ist, bevor Du mit dem nächsten beginnst. Nichts ist schlimmer als der Ärger, wenn Dir einfällt, dass Du eine Schraube vergessen hast, und Du drei Stunden benötigst, die Stelle wieder zugänglich zu machen, weil andere Bauteile wieder demontiert werden müssen.
Erste Inbetriebnahme
Der Moment, in dem ein restaurierter Oldtimer wieder startet, ist für viele Schrauber der Höhepunkt des gesamten Projekts.
Vor dem ersten Start solltest Du:
- Ölstand prüfen
- Kühlsystem kontrollieren
- Gegebenenfalls Servoöl checken
- Kraftstoffleitungen prüfen
- Zündung einstellen
Dann kann der erste Startversuch erfolgen.
Probefahrt und Feinschliff
Nach der Restaurierung folgt die Testphase.
Bei den ersten Fahrten solltest Du besonders auf folgende Dinge achten:
- ungewöhnliche Geräusche
- Temperaturentwicklung
- Bremsverhalten
- Lenkung (Spiel, Geradeauslauf, Leichtgängigkeit)
- Motorlauf
Viele kleine Probleme zeigen sich erst im Fahrbetrieb.
Lohnt sich eine Oldtimer-Restaurierung finanziell?
Die ehrliche Antwort lautet: Nicht immer.
Oft übersteigen Restaurationskosten den Marktwert eines Fahrzeugs.
Eine Faustregel lautet: Restaurierungskosten können schnell das Drei- bis Vierfache des Kaufpreises erreichen.
Deshalb restaurieren viele Oldtimerfans nicht aus finanziellen Gründen – sondern aus Leidenschaft.
Typische Fehler beim Restaurieren eines Oldtimers
Wer einen Oldtimer restaurieren möchte, macht am Anfang fast immer Fehler. Das gehört zum Lernprozess dazu. Manche Fehler können allerdings richtig teuer werden oder den Fortschritt eines Projekts erheblich verzögern. Wenn Du diese klassischen Stolperfallen kennst, kannst Du Dein Restaurationsprojekt deutlich entspannter angehen.
1. Den Zustand des Oldtimers falsch einschätzen
Viele Einsteiger unterschätzen den tatsächlichen Zustand eines Fahrzeugs. Rost, verschlissene Technik oder fehlende Teile werden beim ersten Blick häufig übersehen.
Ein Oldtimer, der auf den ersten Blick „nur etwas Arbeit“ benötigt, kann sich schnell als umfangreiches Restaurationsprojekt entpuppen. Besonders kritisch sind versteckte Roststellen im Unterboden oder in tragenden Karosserieteilen.
Deshalb gilt:
Wenn Du einen Oldtimer kaufen möchtest, solltest Du das Fahrzeug möglichst von einem Experten begutachten lassen.
2. Restaurationskosten unterschätzen
Eine der größten Überraschungen für viele Anfänger sind die Kosten. Ersatzteile, Spezialwerkzeuge, Lackierung oder Motorarbeiten können schnell hohe Summen erreichen.
Besonders teuer sind:
- Karosseriearbeiten
- professionelle Lackierungen
- Motorüberholungen
- seltene Ersatzteile
Wer einen Oldtimer restaurieren möchte, sollte immer eine finanzielle Reserve einplanen. Es gibt keine Restaurierung ohne Überraschungen!
3. Zu schnell mit der Restaurierung beginnen
Viele Oldtimerfans beginnen sofort mit dem Zerlegen des Fahrzeugs. Dabei vergessen sie oft einen wichtigen Schritt: die Planung.
Eine gute Restaurierung beginnt immer mit:
- einer detaillierten Bestandsaufnahme
- einem Restaurationsplan
- einer realistischen Kostenübersicht
Ohne Planung wird ein Restaurationsprojekt schnell chaotisch.
4. Teile nicht dokumentieren
Ein häufiger Anfängerfehler ist das fehlende Dokumentieren beim Zerlegen des Fahrzeugs.
Wenn ein Oldtimer vollständig auseinandergebaut ist, kann der spätere Zusammenbau zur Herausforderung werden.
Deshalb solltest Du immer:
- Fotos machen
- Schrauben beschriften (oder sofort wieder einsetzen)
- Teile sortieren
- eine Dokumentation führen
Das spart später sehr viel Zeit und Nerven.
5. Zu viel Spachtel statt Karosseriearbeiten
Bei starkem Rost greifen manche Restauratoren zu viel Spachtelmasse. Das kann kurzfristig gut aussehen, führt aber langfristig zu Problemen.
Wenn Bleche beschädigt sind, sollten sie professionell repariert oder ersetzt werden. Eine hochwertige Restaurierung bedeutet immer:
Rost entfernen – nicht überdecken.
6. Den Motor nicht gründlich prüfen
Viele Restaurationsprojekte konzentrieren sich zuerst auf die Optik. Dabei wird der Motor vernachlässigt.
Wenn ein Fahrzeug lange gestanden hat, kann eine Oldtimer-Motorüberholung notwendig sein. Verschlissene Lager, verharzter Kraftstoff oder beschädigte Dichtungen sind häufige Probleme.
Die Technik sollte daher immer zuerst überprüft werden.
7. Originalität ignorieren
Gerade bei seltenen Klassikern kann eine unsachgemäße Restaurierung den Wert eines Fahrzeugs erheblich senken.
Dazu gehören zum Beispiel:
- falsche Lackfarben
- moderne Materialien im Innenraum
- nicht originale Teile
Bei vielen Sammlern gilt: Originalität ist entscheidend für den Wert eines Oldtimers.
Fazit: Oldtimer restaurieren ist eine Leidenschaft
Einen Oldtimer zu restaurieren bedeutet Zeit, Arbeit und Geduld. Doch für viele Enthusiasten gibt es kaum ein erfüllenderes Hobby. Du lernst Technik, entwickelst handwerkliche Fähigkeiten und erschaffst am Ende ein Fahrzeug, das Geschichte und Persönlichkeit besitzt.
Der Weg von einem verrosteten Scheunenfund bis zu einem glänzenden Klassiker kann Jahre dauern – aber genau das macht den Reiz aus.
Und wenn Dein restaurierter Oldtimer schließlich auf eigener Achse die Straße entlang fährt, weißt Du: Jede Stunde Arbeit hat sich gelohnt.
Was kostet eine Motorüberholung bei einem Oldtimer?
Einen Oldtimer-Motor zu überholen kann je nach Motor zwischen etwa 2.000 und 10.000 Euro kosten. Der Preis hängt vom Zustand des Motors, der Verfügbarkeit von Ersatzteilen und dem Arbeitsaufwand ab.
Welche Oldtimer eignen sich besonders für eine Restaurierung?
Für Einsteiger eignen sich vor allem Fahrzeuge:
- mit guter Ersatzteilversorgung
- mit einfacher Technik
- mit aktiven Oldtimerclubs
Beliebte Einsteigermodelle sind klassische Kleinwagen oder Mittelklassefahrzeuge aus den 1960er bis 1980er Jahren.
Eine Frage an Dich:
Wie lange dauert bei Dir „nur kurz in die Garage gehen“? Hast Du bereits einen Oldtimer restauriert? Gibt es Tipps, die Du den Lesern geben möchtest? Dann schreib es gern in die Kommentare!
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