Oldtimer-Vergaser einstellen: Gemisch, Leerlauf und Synchronisation richtig machen
Ein Vergasermotor hat seinen ganz eigenen Charakter: Beim Starten braucht er manchmal etwas Geduld, beim Gasgeben reagiert er unmittelbar und sein Klang gehört für viele einfach zum Oldtimer dazu. Doch wenn der Motor stottert, schlecht Gas annimmt, im Leerlauf abstirbt oder auffällig viel Kraftstoff verbraucht, lohnt ein Blick auf den Vergaser. Oldtimer-Vergaser einstellen bedeutet allerdings mehr, als einfach an einer Schraube zu drehen. Zündung, Ansaugsystem, Kraftstoffversorgung und Motorzustand müssen stimmen, bevor das Gemisch verändert wird. In diesem Ratgeber erfährst Du, wie ein Vergaser grundsätzlich arbeitet, welche Unterschiede zwischen Weber-, Solex- und SU-Vergasern bestehen und wie Du systematisch an die Einstellung herangehst.
Wie funktioniert ein Vergaser überhaupt?
Der Vergaser übernimmt bei einem klassischen Ottomotor die Aufgabe, Luft und Kraftstoff in einem für die Verbrennung geeigneten Verhältnis bereitzustellen.
Vereinfacht gesagt strömt die vom Motor angesaugte Luft durch den Vergaser. Im Bereich des Venturi-Rohrs, einer verengten Stelle im Luftkanal, steigt die Strömungsgeschwindigkeit und der statische Druck sinkt. Dieser Druckunterschied ermöglicht es, Kraftstoff aus der Schwimmerkammer über eine Düse in den Luftstrom zu fördern. Dort wird der Kraftstoff zerstäubt und mit der Ansaugluft vermischt.
Eine Düse ist dabei eine kalibrierte Öffnung, deren Größe den Kraftstoffdurchfluss beeinflusst. Die Drosselklappe bestimmt wiederum, wie viel Luft beziehungsweise Gemisch der Motor bei Ottomotoren anfordert. Im Leerlauf ist die Drosselklappe nahezu geschlossen; spezielle Leerlaufkanäle versorgen den Motor trotzdem mit dem erforderlichen Gemisch.
Das Grundprinzip lässt sich auf eine einfache Formel bringen:
Luft + Kraftstoff + richtiges Mischungsverhältnis = verbrennungsfähiges Gemisch
Der Vergaser erzeugt dabei streng genommen kein vollständig gasförmiges Gemisch. Zunächst entsteht ein Aerosol aus Luft und fein verteilten Kraftstofftröpfchen, von denen ein großer Teil anschließend verdampft.
Zu den typischen Bestandteilen eines Vergasers gehören:
Bauteil | Aufgabe |
Venturi-Rohr | Erzeugt den für die Kraftstoffförderung notwendigen Druckunterschied |
Schwimmerkammer | Hält den Kraftstoffvorrat auf einem definierten Niveau |
Schwimmer | Reguliert zusammen mit dem Nadelventil den Kraftstoffstand |
Hauptdüse | Dosiert Kraftstoff im Hauptlastbereich |
Leerlaufdüse/-system | Versorgt den Motor bei niedriger Last |
Düsennadel | Verändert bei bestimmten Vergaserkonstruktionen den Kraftstoffquerschnitt |
Drosselklappe | Steuert die dem Motor zugeführte Luftmenge |
Startereinrichtung | Erleichtert das Kaltstarten durch Anreicherung |
Beschleunigungspumpe | Liefert bei schneller Drosselklappenöffnung zusätzlich Kraftstoff |
Das stöchiometrische Luft-Kraftstoff-Verhältnis liegt bei Ottokraftstoff ungefähr bei 14,7 : 1 nach Masse. Das entspricht Lambda λ = 1. In der Praxis arbeitet ein Motor abhängig von Betriebszustand und Vergaserkonstruktion nicht ständig exakt bei diesem Wert.
Welche Vergasertypen gibt es bei Oldtimern?
Bei klassischen Fahrzeugen begegnen Dir zahlreiche Vergaserkonstruktionen. Für viele europäische Oldtimer sind insbesondere Solex, Weber und SU von Bedeutung.
Solex-Vergaser
Solex-Vergaser wurden bei zahlreichen europäischen Fahrzeugherstellern eingesetzt. Das Angebot reicht von einfachen Einzelvergasern bis zu komplexeren Mehrfach- und Doppelvergaseranlagen.
Charakteristisch ist, dass die Abstimmung stark von der jeweiligen Vergaservariante und dem Motor abhängt. Hauptdüse, Leerlaufdüse, Luftkorrekturdüse, Schwimmerstand und weitere Komponenten müssen zur jeweiligen Motorisierung passen.
Deshalb ist bei einem Solex die Hersteller-Düsenbestückung beziehungsweise die Werksangabe eine besonders wichtige Ausgangsbasis.
Einfach irgendeine größere oder kleinere Düse einzubauen, weil der Motor damit vermeintlich besser läuft, ist keine systematische Abstimmung.
Weber-Vergaser
Weber-Vergaser sind bei sportlichen und leistungsorientierten Oldtimern besonders häufig anzutreffen. Bekannt sind beispielsweise die DCOE- und IDF-Baureihen.
Bei Weber-Vergasern können verschiedene Systeme ineinandergreifen: Leerlaufkreis, Übergangssystem, Hauptsystem, Luftkorrektur und Beschleunigungsanreicherung. Deshalb kann ein Motor beispielsweise im Leerlauf sauber laufen, beim langsamen Beschleunigen aber trotzdem ein deutliches Loch zeigen.
Bei Doppel- oder Mehrfachanlagen kommt zusätzlich die Synchronisation hinzu. Die einzelnen Vergaser beziehungsweise Drosselklappen müssen so zusammenarbeiten, dass die Zylinder beziehungsweise Zylindergruppen möglichst gleichmäßig mit Luft versorgt werden.
SU-Vergaser
SU-Vergaser arbeiten nach dem Prinzip des Konstantdruck- beziehungsweise Konstantdepressionsvergasers.
Dabei wird die Stellung des Kolbens beziehungsweise Schiebers durch den Unterdruck im Vergaser beeinflusst. Die Düsennadel verändert abhängig von ihrer Position den wirksamen Kraftstoffquerschnitt.
Das unterscheidet den SU grundlegend von vielen klassischen Festdüsenvergasern.
Bei den verbreiteten SU-HS-Vergasern wird die Gemischänderung über die Stellung der Düse vorgenommen. Die genaue Grundeinstellung ist jedoch vom konkreten Vergasertyp abhängig. Deshalb solltest Du nicht pauschal eine bestimmte Anzahl Umdrehungen als universell gültig betrachten, sondern die Herstellervorgaben für den jeweiligen SU verwenden.
Ein weiterer Punkt ist das Dämpferöl. Bei bestimmten SU-Vergasern beeinflusst der Dämpfer das Verhalten des Kolbens bei schnellen Laständerungen. Füllstand und vorgeschriebene Ölsorte beziehungsweise Viskosität sollten deshalb ebenfalls berücksichtigt werden.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
Merkmal | Solex-Vergaser | Weber-Vergaser | SU-Vergaser |
Grundprinzip | je nach Baureihe unterschiedlich | je nach Baureihe unterschiedlich | Konstantdruck/Konstantdepression |
Kraftstoffdosierung | überwiegend über Düsenkreise | mehrere Düsen- und Korrektursysteme | Düsennadel und Düse |
Typische Anwendung | viele europäische Serienfahrzeuge | sportliche und leistungsorientierte Motoren | vor allem britische Fahrzeuge |
Besonderheit | genaue Düsenbestückung wichtig | komplexe Abstimmung möglich | Kolben/Düsennadel-System |
Wichtig bei Einstellung | Werksdaten und Düsenbestückung | Synchronisation und Düsenabstimmung | Düse, Düsennadel und Dämpfersystem |
Bevor Du den Oldtimer-Vergaser einstellst: Erst die Ursache suchen
Das ist einer der wichtigsten Punkte überhaupt.
Wenn ein Oldtimer-Motor schlecht läuft, ist der Vergaser nicht automatisch schuld. Ein Motor kann beispielsweise wegen eines falschen Zündzeitpunkts, einer defekten Zündanlage, Nebenluft oder eines falschen Kraftstoffstands schlecht laufen.
Wenn Du dann einfach das Gemisch veränderst, kaschierst Du möglicherweise nur die eigentliche Ursache.
Die richtige Reihenfolge lautet deshalb sinngemäß:
Motorzustand prüfen → Zündung prüfen → Ansaugsystem prüfen → Kraftstoffversorgung prüfen → Vergaser prüfen → Vergaser einstellen
Ein weiterer Punkt: Heute werden viele Vergaser mit Ultraschall gereinigt. Problematisch kann es sein, wenn dies mit einem kleinen Gerät in der heimischen Garage geschieht. Die einfachen Geräte für den Hobbybereich sind meist zu schwach. Auch das genutzte Reinigungsmittel sollte speziell zur Vergaserreinigung im Ultraschallbad geeignet sein. Hier lohnt sich der Gang zu einem Fachbetrieb.
Alternativ ist die Reinigung mit einem petroleum-basierten Rostlöser und Druckluft (mindestens 4 bar) zu empfehlen.
Niemals Düsen mit Draht durchstoßen oder freikratzen!
Warum muss die Zündung vor der Vergasereinstellung stimmen?
Der Vergaser liefert das Gemisch. Die Zündanlage muss dieses Gemisch anschließend zum richtigen Zeitpunkt entzünden.
Schon ein falsch eingestellter Zündzeitpunkt kann zu schlechtem Leerlauf, mangelnder Leistung, schlechtem Startverhalten oder ungewöhnlichem Motorlauf führen.
Bei einem klassischen Zündsystem sollten deshalb unter anderem Zündkerzen, Zündkabel, Verteiler, Unterbrecherkontakt beziehungsweise elektronische Zündung sowie der Zündzeitpunkt überprüft werden.
Ein Vergaser kann kein Zündungsproblem reparieren.
Warum muss die Luftzufuhr dicht sein?
Ein häufiger Fehler bei alten Fahrzeugen ist Nebenluft.
Damit ist Luft gemeint, die hinter dem Vergaser beziehungsweise an einer Stelle in den Ansaugtrakt gelangt, an der sie vom Vergaser nicht berücksichtigt wurde.
Typische Verdächtige sind:
- Vergaserfuß und Dichtung
- Ansaugkrümmerdichtungen
- Unterdruckschläuche
- Bremskraftverstärker und dessen Leitung
- ausgeschlagene Drosselklappenwellen
- poröse oder beschädigte Schläuche
Nebenluft kann insbesondere im Leerlauf zu einem zu mageren Gemisch führen. Kleine Undichtigkeiten im Ansaugtrakt lassen sich mit etwas Bremsenreiniger lokalisieren. Einfach eine kleine Menge auf das verdächtige Bauteil geben und auf eine sich kurzzeitig verändernde Motordrehzahl achten. Vorsicht: Brandgefahr!
Darum gilt: Erst das Ansaugsystem dicht bekommen, dann den Vergaser einstellen.
Auch der Luftfilter sollte vor Beginn der Arbeit geprüft werden. Ein verschmutzter Filter verfälscht das Gemisch.
Warum sollte der Motor vor der Einstellung warm sein?
Ein kalter Motor benötigt andere Betriebsbedingungen als ein betriebswarmer Motor.
Bei niedrigen Temperaturen verdampft Kraftstoff schlechter. Deshalb verfügen Vergaser über eine Kaltstarteinrichtung, beispielsweise eine Starterklappe oder ein anderes Anreicherungssystem.
Würdest Du einen kalten Motor einstellen, würdest Du unter Bedingungen arbeiten, die während des normalen Fahrbetriebs nicht gelten.
Der Motor sollte deshalb seine normale Betriebstemperatur erreicht haben. Die konkrete Solltemperatur richtet sich nach dem jeweiligen Fahrzeug und Motor.
Wichtig ist außerdem, dass die Kaltstarteinrichtung vollständig außer Betrieb ist, bevor Du die normale Leerlauf- und Gemischeinstellung vornimmst.
Was sagen Zündkerzenfarbe und Auspuff über das Gemisch aus?
Die Zündkerzen können Hinweise auf die Verbrennung geben. Allerdings ist die klassische Aussage „rehbraun = perfekt“ heute mit Vorsicht zu betrachten.
Moderne Kraftstoffe, Additive, unterschiedliche Betriebszustände und die konkrete Motorabstimmung können das Kerzenbild beeinflussen. Eine Zündkerze sollte deshalb nicht isoliert als alleiniger Beweis für eine bestimmte Gemischzusammensetzung betrachtet werden.
Trotzdem können deutliche Auffälligkeiten wertvolle Hinweise liefern.
Beobachtung | Mögliche Ursache |
stark verrußte, schwarze Kerze | zu fettes Gemisch, falsche Zündung oder andere Ursachen |
sehr helle Ablagerungen | kann auf mageren Betrieb beziehungsweise hohe thermische Belastung hinweisen |
ölige Kerze | eher Hinweis auf Ölverbrennung als auf eine reine Vergasereinstellung |
unterschiedliche Kerzenbilder | kann auf unterschiedliche Gemischversorgung, Zündung oder mechanische Ursachen hindeuten |
Auch der Auspuff kann Hinweise liefern. Schwarzer Rauch unter Last spricht beispielsweise für eine deutlich zu hohe Kraftstoffmenge. Allerdings sind Abgasfarbe und Geruch keine präzisen Messinstrumente.
Für eine belastbare Abstimmung sind deshalb Messverfahren wie eine Abgasmessung beziehungsweise, je nach Motor und Anwendung, eine Lambda-Messung wesentlich aussagekräftiger.
Zu fett oder zu mager: Was bedeutet das?
Das Gemisch beschreibt das Verhältnis von Luft zu Kraftstoff.
Zu fettes Gemisch
Ein zu fettes Gemisch enthält relativ viel Kraftstoff und zu wenig Luft.
Mögliche Symptome sind:
- erhöhter Kraftstoffverbrauch
- dunkle beziehungsweise rußende Zündkerzen (können aussetzten)
- schlechte Gasannahme
- unruhiger Motorlauf
- schwarze Abgasfahne bei deutlicher Überfettung
- erhöhter Schadstoffausstoß
- Auspuffknallen bei Gaswegnahme
Bei starker Überfettung kann unverbrannter Kraftstoff in den Abgastrakt gelangen. Das ist nicht nur schlecht für die Abgaswerte, sondern kann je nach Fahrzeug auch weitere technische Probleme verursachen.
Zu mageres Gemisch
Ein mageres Gemisch enthält relativ wenig Kraftstoff im Verhältnis zur Luft.
Mögliche Symptome sind:
- schlechte Gasannahme
- Ruckeln oder Stottern
- instabiler Leerlauf
- Leistungsverlust
- Rückzündungen in den Ansaugtrakt
- erhöhte thermische Belastung (Auslassventile können Schaden nehmen)
Eine starke Abmagerung unter hoher Last kann für den Motor besonders problematisch werden.
Deshalb sollte man nicht nach dem Motto „so mager wie möglich für weniger Verbrauch“ vorgehen. Die Abstimmung muss zum Motor, Vergaser, Betriebszustand und den Herstellervorgaben passen.
Warum müssen Mehrfachvergaser synchronisiert werden?
Bei einem Motor mit zwei oder mehreren Vergasern müssen die einzelnen Vergaser möglichst gleichmäßig zusammenarbeiten.
Die Synchronisation bedeutet vereinfacht, dass die Drosselklappen beziehungsweise Schieber der einzelnen Vergaser bei gleicher Gasstellung entsprechend gleich arbeiten und die Zylindergruppen gleichmäßig mit Luft versorgt werden.
Sind die Vergaser nicht synchronisiert, kann der Motor trotz korrekter Gemischeinstellung unrund laufen.
Ein typisches Beispiel:
Vergaser A versorgt seine Zylinder stärker als Vergaser B. Dann können unterschiedliche Verbrennungsbedingungen entstehen. Der Motor läuft möglicherweise unruhig, reagiert schlecht auf Gasbefehle oder zeigt unterschiedliche Zündkerzenbilder.
Deshalb gilt bei Mehrfachvergaseranlagen:
Erst synchronisieren, dann das Gemisch sauber abstimmen.
Für die Synchronisation werden je nach Vergasertyp beispielsweise Unterdruckuhren oder ein geeigneter Synchronprüfer verwendet.
Oldtimer-Vergaser einstellen: Grundprinzip der Vorgehensweise
Eine universelle Einstellanleitung für alle Solex-, Weber- und SU-Vergaser gibt es nicht. Die konkrete Einstellung hängt von der Baureihe, Motorisierung und Werksbestückung ab.
Das Grundprinzip ist jedoch ähnlich.
1. Grundeinstellung herstellen
Bevor Du den Motor startest, sollten die vom Hersteller vorgegebenen Grundeinstellungen hergestellt werden.
Dazu können je nach Vergaser gehören:
- Drosselklappenstellung
- Leerlaufanschlag
- Gemischschraube
- Düsenbestückung
- Schwimmerstand
- Düsennadel beziehungsweise Nadelposition
- Startereinrichtung
Bei einem unbekannten oder überholten Vergaser ist die korrekte Düsenbestückung besonders wichtig.
2. Motor auf Betriebstemperatur bringen
Der Motor wird auf normale Betriebstemperatur gebracht.
Dabei sollte die Kaltstarteinrichtung vollständig deaktiviert sein.
3. Leerlaufdrehzahl einstellen
Zunächst wird die vom Fahrzeughersteller vorgeschriebene Leerlaufdrehzahl hergestellt.
Die Leerlaufanschlagschraube verändert dabei die Stellung der Drosselklappe.
Wichtig: Nicht einfach die Leerlaufdrehzahl erhöhen, wenn der Motor schlecht läuft. Ein zu hoher Leerlauf kann ein Hinweis darauf sein, dass an anderer Stelle etwas nicht stimmt.
4. Leerlaufgemisch einstellen
Die Gemischschraube beeinflusst beim klassischen Vergaser die Zusammensetzung des Gemisches im Leerlaufbereich.
Bei vielen Vergasern wird das Gemisch so eingestellt, dass der Motor bei korrekter Leerlaufdrehzahl möglichst ruhig und stabil läuft. Je nach Bauart kann eine Gemischschraube entweder Kraftstoff- oder Luftmenge beeinflussen.
Deshalb ist „reindrehen = magerer“ nicht bei jedem Vergaser automatisch richtig.
Genau diese Unterscheidung ist bei der Arbeit am Oldtimer-Vergaser wichtig.
Als allgemeine Arbeitsweise bietet sich an:
- Ausgangsstellung dokumentieren.
- Motor vollständig erwärmen.
- Leerlaufdrehzahl kontrollieren.
- Gemisch in kleinen Schritten verändern.
- Reaktion des Motors abwarten.
- Leerlaufdrehzahl gegebenenfalls nachkorrigieren.
- Einstellung erneut kontrollieren.
Immer nur eine Veränderung gleichzeitig durchführen. Sonst weißt Du anschließend nicht mehr, welche Änderung welche Wirkung hatte. Zudem sollten sämtliche Einstellungen nur in kleinen Schritten vorgenommen und jeweils etwas gewartet werden. In vielen Fällen dauert es bis zu 30 Sekunden, bis sich Änderungen am Motorlauf feststellen lassen.
Eine gute Arbeitserleichterung sind Diagnose-Zündkerzen. Diese besitzen ein Sichtfenster und lassen die Farbe der Verbrennung erkennen.
- Blau: zu mager
- Gelb: zu fett
- Hellblau: genau richtig
Wie wird ein SU-Vergaser eingestellt?
Beim SU steht die Stellung der Düse zur Düsennadel im Mittelpunkt.
Wird die Düse abgesenkt, wird bei den entsprechenden SU-Konstruktionen das Gemisch fetter. Wird sie angehoben, wird es magerer.
Die konkrete Grundeinstellung unterscheidet sich jedoch je nach SU-Baureihe. Deshalb sollte immer die zum Fahrzeug und Vergaser passende Werks- oder Reparaturanleitung verwendet werden.
Zusätzlich müssen Kolben, Dämpfer, Düsennadel und Düse mechanisch in Ordnung sein.
Ein verschlissener oder klemmender Kolben lässt sich nicht durch eine Gemischschraube „wegjustieren“.
Wie wird ein Weber-Vergaser eingestellt?
Bei Weber-Vergasern ist zunächst entscheidend, welche Baureihe verwendet wird.
Ein einfacher Serienvergaser wird anders eingestellt als beispielsweise ein Weber-DCOE-Doppelvergaser.
Bei einer Mehrfachanlage steht zunächst die Synchronisation im Mittelpunkt. Anschließend werden Leerlauf und Gemisch eingestellt.
Bei sportlichen Weber-Anlagen spielen außerdem verschiedene Düsenkreise eine Rolle. Hauptdüse, Luftkorrekturdüse, Leerlaufdüse, Mischrohr und gegebenenfalls Beschleunigerpumpe beeinflussen unterschiedliche Betriebsbereiche.
Wenn ein Motor beispielsweise nur beim Übergang vom Schubbetrieb beziehungsweise Leerlauf zum Beschleunigen ruckelt, muss nicht zwangsläufig die Hauptdüse verändert werden.
Die Kunst besteht darin, herauszufinden, welcher Vergaserbereich für das jeweilige Fehlerbild verantwortlich ist.
Wie wird ein Solex-Vergaser eingestellt?
Auch beim Solex ist die konkrete Baureihe entscheidend.
Die korrekte Düsenbestückung, der Schwimmerstand und die Drosselklappenstellung müssen zu Motor und Fahrzeug passen.
Bei der Einstellung von Solex-Vergasern ist deshalb die originale Werksdokumentation besonders wertvoll. Die Sollwerte sind keine beliebigen Erfahrungswerte, sondern wurden für die jeweilige Motor-/Vergaserkombination festgelegt.
Das gilt insbesondere dann, wenn ein Oldtimer restauriert wurde und nicht mehr sicher bekannt ist, welche Düsen ursprünglich eingebaut waren.
Was passiert, wenn der Oldtimer-Motor trotz Einstellung nicht sauber läuft?
Dann solltest Du nicht einfach weiter an der Gemischschraube drehen.
Ein Oldtimer-Motor, der stottert, kann zahlreiche Ursachen haben.
Symptom | Mögliche Ursachen |
Motor stirbt im Leerlauf ab | Leerlaufgemisch, Leerlaufdrehzahl, Nebenluft, Zündung, Leerlaufdüse verstopft |
Schlechte Gasannahme | Gemisch, Beschleunigungssystem, Zündung, Kraftstoffversorgung |
Hoher Verbrauch | zu fettes Gemisch, Kraftstoffdruck, Schwimmerstand, Düsen |
Rückzündung im Ansaugtrakt | mageres Gemisch, Zündung, Ventiltrieb oder andere Ursachen |
Schwarzer Rauch | starke Überfettung, Luftfilter verschmutzt oder andere Kraftstoff-/Verbrennungsprobleme |
Unterschiedliche Kerzenbilder | Mehrfachvergaser nicht synchron, Zündung oder mechanische Ursachen |
Motor läuft kalt schlecht | Kaltstarteinrichtung, Gemischaufbereitung, Zündung |
Motor läuft warm schlecht | Gemisch, Kraftstoffversorgung, Zündung, Nebenluft oder thermische Probleme |
Das Entscheidende ist: Ein Vergaserproblem ist eine Diagnoseaufgabe und keine reine Schraubaufgabe.
Welche Rolle spielt der Auspuff?
Der Auspuff ist mehr als nur das Rohr, aus dem die Abgase herauskommen.
Für die Beurteilung eines klassischen Motors können Abgasbild, Geruch und gegebenenfalls Messwerte Hinweise auf die Verbrennung geben. Ein zugesetzter oder beschädigter Abgasstrang kann außerdem den Motorlauf beeinflussen.
Bei Fahrzeugen mit Abgasprüfung sind die gemessenen Abgaswerte wesentlich aussagekräftiger als eine subjektive Beurteilung des Auspuffgeruchs.
Gerade bei der Abstimmung eines Oldtimers mit H-Kennzeichen sollte deshalb zwischen „Motor läuft gefühlt gut“ und „Abgaswerte entsprechen den für das Fahrzeug geltenden Anforderungen“ unterschieden werden.
Vergaser einstellen mit CO-Tester
Ein CO-Tester misst den Kohlenmonoxidanteil im Abgas.
CO entsteht unter anderem bei unvollständiger Verbrennung. Bei einem klassischen Ottomotor kann der CO-Wert deshalb einen wichtigen Hinweis auf die Gemischaufbereitung geben.
Für die professionelle Abstimmung ist eine Abgasmessung deutlich belastbarer als das reine Hören auf die Motordrehzahl.
Wichtig bleibt jedoch: Ein CO-Wert allein erklärt nicht jedes Problem. Bei unterschiedlichen Motorzuständen und Vergasersystemen müssen die jeweils geltenden Sollwerte berücksichtigt werden.
Bei einer umfangreichen Abstimmung kann zusätzlich eine Lambda-Messung sinnvoll sein.
Warum man nicht einfach an allen Schrauben drehen sollte
Das ist vermutlich die wichtigste praktische Regel beim Oldtimer-Vergaser einstellen.
Wenn Du gleichzeitig:
- die Gemischschraube verstellst,
- die Leerlaufdrehzahl änderst,
- den Zündzeitpunkt veränderst,
- die Düsengröße wechselst
und anschließend eine Verbesserung feststellst, weißt Du nicht, was tatsächlich geholfen hat.
Deshalb immer:
Eine Änderung → Motor reagieren lassen → Ergebnis beurteilen → dokumentieren.
Gerade bei seltenen Oldtimern lohnt es sich, die Ausgangswerte aufzuschreiben. Dazu gehören beispielsweise Düsengrößen, Schraubenstellungen, Leerlaufdrehzahl und gegebenenfalls gemessene Abgaswerte.
Was sagt der TÜV zu einem falsch eingestellten Vergaser bei einem Oldtimer mit H-Kennzeichen?
Hier muss man zwei Dinge auseinanderhalten: H-Status und technische Prüfung.
Für die Einstufung als Oldtimer nach § 23 StVZO ist unter anderem eine Begutachtung des Gesamtfahrzeugs und seiner Originalität erforderlich. Die Begutachtung wird mit einer Untersuchung im Umfang der Hauptuntersuchung verbunden. Die Originalität beziehungsweise der zeitgenössische Zustand der Hauptbaugruppen spielt für das H-Gutachten eine Rolle.
Ein falsch eingestellter Vergaser führt daher nicht automatisch zum Verlust eines bereits vorhandenen H-Kennzeichens.
Technisch problematisch kann eine schlechte Vergasereinstellung allerdings bei der HU beziehungsweise AU werden. Für Pkw ist die Abgasuntersuchung abhängig vom Erstzulassungsdatum und der Fahrzeugtechnik Bestandteil der Hauptuntersuchung; bei Ottomotoren gilt grundsätzlich der Stichtag 1. Juli 1969 für die AU-Pflicht. Für einzelne Fahrzeuge können weitere Besonderheiten gelten.
Entscheidend sind deshalb die für Dein konkretes Fahrzeug geltenden Prüfanforderungen.
Ein zu hoher Schadstoffausstoß kann bei einem AU-pflichtigen Oldtimer zu einem Prüfproblem führen. Ebenso können technische Mängel am Motor oder der Kraftstoffanlage relevant sein.
Umgekehrt bedeutet eine schlechte Einstellung nicht automatisch, dass das Fahrzeug seine historische Einstufung verliert.
H-Kennzeichen und Vergaser im Überblick
Situation | Bedeutung |
Vergaser funktioniert technisch einwandfrei | grundsätzlich unproblematisch |
Vergaser falsch eingestellt, aber keine relevanten Prüfwerte/Mängel betroffen | H-Kennzeichen nicht automatisch gefährdet |
Fahrzeug überschreitet bei AU relevante Grenzwerte | kann zu einem Prüfproblem führen |
Vergaseranlage wurde erheblich und nicht zeitgenössisch verändert | kann für die H-Begutachtung relevant sein |
Originaler Vergaser wurde fachgerecht überholt und eingestellt | entspricht grundsätzlich dem Erhalt des historischen Zustands |
Das H-Kennzeichen ist also kein Freibrief für einen schlecht laufenden Motor. Gleichzeitig ist die reine Gemischeinstellung nicht mit einer Aberkennung des H-Status gleichzusetzen.
Wann solltest Du einen Fachbetrieb einschalten?
Bei einem einfachen Serienvergaser kann ein technisch versierter Oldtimerbesitzer viele Arbeiten selbst erledigen.
Komplizierter wird es bei:
- Doppel- und Mehrfachvergaseranlagen
- Weber-DCOE-Anlagen
- stark verschlissenen Vergasern
- unbekannter Düsenbestückung
- ausgeschlagenen Drosselklappenwellen
- Probleme mit Schwimmerstand oder Kraftstoffdruck
- stark abweichenden Zündkerzenbildern
- unklaren Abgaswerten
- Motoren mit umfangreichen Tuningmaßnahmen
Besonders bei seltenen Fahrzeugen sollte nicht nach Internet-Universalwerten gearbeitet werden. Die originale Reparatur- oder Einstellanleitung des jeweiligen Motors ist die wichtigste Referenz.
Die häufigsten Fehler beim Vergaser einstellen
Der Vergaser wird für jedes Motorproblem verantwortlich gemacht.
Das ist der Klassiker.
Zündung, Ventilspiel, Kompression, Kraftstoffversorgung oder Nebenluft können ebenfalls die Ursache sein.
Der Motor wird kalt eingestellt.
Damit wird eine Einstellung für einen Betriebszustand vorgenommen, der im normalen Fahrbetrieb nicht der entscheidende ist.
Die Synchronisation wird vergessen.
Bei Mehrfachvergasern führt eine falsche Synchronisation zu ungleichmäßiger Zylinderfüllung und erschwert jede weitere Abstimmung.
Die Düsengröße wird nach Gefühl verändert.
Eine größere Düse bedeutet nicht automatisch mehr Leistung. Eine kleinere Düse bedeutet nicht automatisch weniger Verbrauch ohne Nachteile.
Die komplette Abstimmung muss zum Motor passen.
Die Zündung wird ignoriert.
Ein falsch eingestellter Zündzeitpunkt kann ein Vergaserproblem vortäuschen.
An mehreren Einstellungen gleichzeitig gedreht.
Dadurch geht die Nachvollziehbarkeit verloren.
Was braucht man zum Oldtimer-Vergaser einstellen?
Für einfache Arbeiten reicht häufig grundlegendes Werkzeug (Schlitz- oder Kreuzschlitzschraubendreher, Zündkerzenschlüssel). Bei einer professionellen Abstimmung kann deutlich mehr erforderlich sein.
Sinnvoll sind je nach Vergaser und Fahrzeug:
Werkzeug | Zweck |
Drehzahlmesser | Kontrolle der Leerlaufdrehzahl |
Fühlerlehre | Prüfung bestimmter mechanischer Einstellungen |
Synchronprüfer | Synchronisation von Mehrfachvergasern |
Unterdruckuhren | Vergleich der Ansaugunterdrücke |
CO-Messgerät | Kontrolle des Kohlenmonoxidgehalts |
Lambda-Messung | Beurteilung des Luft-Kraftstoff-Verhältnisses |
Werkstatthandbuch | Sollwerte und Grundeinstellungen |
Zündzeitpunktprüfer | Kontrolle der Zündung |
Notizblatt/Protokoll | Dokumentation der vorgenommenen Änderungen |
Die wichtigste Grundregel
Wenn Dein Oldtimer schlecht läuft, beginne nicht mit der Gemischschraube.
Beginne mit der Diagnose.
Ein sauber eingestellter Vergaser setzt einen technisch gesunden Motor voraus. Zündung, Ventiltrieb, Kompression, Kraftstoffversorgung, Ansaugsystem und Auspuff müssen grundsätzlich funktionieren.
Erst dann lohnt es sich, den Vergaser abzustimmen.
Und genau darin liegt der Unterschied zwischen „Irgendwie läuft er“ und einem Motor, der sauber Gas annimmt, stabil im Leerlauf läuft und unter verschiedenen Betriebsbedingungen zuverlässig arbeitet.
Fazit: Oldtimer-Vergaser einstellen braucht System!
Oldtimer-Vergaser einstellen ist keine geheimnisvolle Kunst. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, die vielen miteinander verbundenen Systeme richtig zu beurteilen.
Solex-, Weber- und SU-Vergaser funktionieren nach unterschiedlichen Prinzipien und benötigen deshalb unterschiedliche Einstellverfahren. Bei Mehrfachvergaseranlagen kommt die Synchronisation hinzu.
Die wichtigste Reihenfolge lautet:
Zündung prüfen → Motor mechanisch prüfen → Ansaugsystem auf Nebenluft prüfen → Kraftstoffversorgung prüfen → Vergaser-Grundeinstellung kontrollieren → Mehrfachvergaser synchronisieren → Motor warmfahren → Leerlauf und Gemisch einstellen → Ergebnis messen und dokumentieren.
Wenn Du diese Systematik einhältst, musst Du nicht auf Verdacht an jeder Schraube drehen. Und genau das macht die Arbeit am klassischen Vergaser deutlich einfacher.
Welche Erfahrungen hast Du beim Oldtimer-Vergaser einstellen gemacht? Schreib es in die Kommentare!
FAQ: Oldtimer-Vergaser einstellen
Wie erkenne ich, ob der Oldtimer-Vergaser zu fett oder zu mager eingestellt ist?
Ein zu fettes Gemisch enthält im Verhältnis zu viel Kraftstoff und kann sich unter anderem durch erhöhten Verbrauch, verrußte Zündkerzen, schlechte Gasannahme und dunkle Abgase bemerkbar machen. Bei einem zu mageren Gemisch können Ruckeln, schlechte Gasannahme, instabiler Leerlauf oder eine erhöhte thermische Belastung auftreten. Diese Symptome sind allerdings nicht eindeutig, da auch Zündung, Nebenluft, Kraftstoffversorgung oder mechanische Probleme ähnliche Erscheinungen verursachen können. Eine Abgasmessung liefert deshalb zuverlässigere Informationen als die alleinige Beurteilung des Motorlaufs oder der Zündkerzenfarbe.
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Warum müssen Mehrfachvergaser vor dem Einstellen synchronisiert werden?
Bei einem Motor mit mehreren Vergasern müssen die einzelnen Vergaser beziehungsweise Drosselklappen möglichst gleichmäßig arbeiten. Sind sie nicht synchronisiert, erhalten die zugehörigen Zylinder unterschiedliche Luftmengen. Das kann zu unrundem Motorlauf, schlechter Gasannahme und unterschiedlichen Verbrennungsbedingungen führen. Deshalb sollte bei einer Mehrfachvergaseranlage zunächst die mechanische Synchronisation geprüft beziehungsweise hergestellt werden. Erst anschließend ist eine sinnvolle Feinabstimmung von Leerlauf und Gemisch möglich.
Kann ein falsch eingestellter Vergaser das H-Kennzeichen gefährden?
Ein falsch eingestellter Vergaser führt nicht automatisch zum Verlust des H-Kennzeichens. Bei der technischen Prüfung können jedoch beispielsweise Abgaswerte oder andere technische Mängel relevant sein. Bei einem AU-pflichtigen Fahrzeug muss die Abgasuntersuchung bestanden werden. Außerdem kann eine nicht zeitgenössische oder erheblich veränderte Vergaseranlage bei einer Begutachtung für die historische Einstufung relevant sein. Entscheidend sind deshalb der technische Zustand, die für das Fahrzeug geltenden Prüfanforderungen und gegebenenfalls die Originalität beziehungsweise zeitgenössische Ausführung der Vergaseranlage.












