Peter Plessa: Ein Macher in der Oldtimerszene!

 

 

Peter Plessa Oldtimertreffen

 

Es ist mir ein inneres Blumenpflücken, euch Peter Plessa vorzustellen. Eine treffende Kurzbeschreibung könnte lauten: „Ein Urgestein, Unikat und Macher der Oldtimerszene des Ruhrpotts!“ Doch das wäre zu einfach. Er ist auch eine Art Lebenskünstler, Tüftler und hat trotz vieler Schicksalsschläge nie den Mut verloren. Ich persönlich glaube – er ist daran gewachsen. Peter hat am Bau des aus „Manta, der Film“ bekannten rosa Opel-Manta-Pick-ups mitgewirkt, einige interessante Umbauten realisiert und nicht zuletzt ist er Initiator vieler regionaler Oldtimertreffen im Ruhrgebiet. Die meisten von ihnen sind heute gut besuchte regelmäßige Veranstaltungen. Reich ist er dadurch nie geworden.

 

Die erste Fahrt: Peter rettet einen Renault R4!

 

Peter Plessa als Kind vor einem Goggomobil-Oldtimer

 

Schon in der Kindheit prägten Autos seinen Werdegang. Mit seinem Vater baute er damals den Motor des Goggo Isar T600 (das große Goggomobil, später Glas Isar) um. Seine ersten technischen Erfahrungen. Auch wenn ihn das Leben vor immer neue Hürden stellte, noch heute sind Oldtimer seine große Liebe! Wir schauten uns Fotoalben an, in denen es viele Bilder aus längst vergangenen Zeiten gab. Und zu jedem dieser Bilder gab es auch eine kleine Geschichte.

Den Anfang machte seine erste Autofahrt: Peter war damals ein kleiner Fußballer und spielte für den FC Gladbeck. Dort wuchs er die ersten Lebensjahre auf, bevor er seine Heimat in seiner Geburtsstadt Gelsenkirchen fand. Eines Tages, bei einem Campingausflug zum Campingplatz Emswiesen Schepsdorf bei Lingen, kam es zu einem Hochwasser. Der Ford Escort seines Vaters stand sicher auf einem Hügel. Der rote Renault R4 seines Onkels jedoch sehr nah am Wasser. Der Pegel stieg und erreichte bereits die Reifen. Weder Vater noch Onkel waren vor Ort. Peter informierte seine Tante mit den Worten: „Du musst Dein Auto retten!“. Doch sie konnte nicht fahren und rief dem damals 10-jährigen Peter zu: „Egal, was Du machst, fahr von mir aus ins Zelt!“. So geschah es. Das Hauszelt war groß genug, um den kleinen Renault aufzunehmen.

Onkel Klaus fragte nach seiner Rückkehr völlig aufgelöst nach dem Verbleib des Wagens. Vermutete schon den Verlust. Peters Tante beruhigte ihn und sagte: „Nee nee, der steht da drinnen.“ So kam Peter unverhofft zu seiner ersten (wenn auch kurzen) selbstständigen Autofahrt.

 

Das erste eigene Auto

 

Peter Plessa mit seinem VW 1500 Variant

 

Eigentlich sollte es ein Ford P7 (17M) werden. Doch ein gebrochener Arm verzögerte seine Führerscheinprüfung. So wurde das gute Stück leider abgegeben. Nicht an Peter. Der erste Wagen, den er nach seiner bestandenen Prüfung fuhr, war ein VW 1500 Variant, ein ehemaliges Polizeifahrzeug. Diesen erwarb er damals für 800 DM bei einem Schrotthändler. Das erste selbst zugelassene Auto war ein Opel Kadett B LS. Ein viertüriges Coupé in Weiß.

Vieles an seinen Fahrzeugen machte er selbst. Im Laufe der Jahre eignete sich Peter tiefgehende Fertigkeiten an. Reparierte, verschönerte und tunte nicht wenige Autos und Motorräder. So waren zum Beispiel ein Mazda RX7, ein Opel GT und ein VW Scirocco I dabei. 1982 ging es dann ans Eingemachte. Peter setzte sich intensiv mit dem Motortuning auseinander. Aus einem VW Golf mit 1500 ccm holte er 249 PS heraus. Da das doch etwas zu viel für die Zulassung war, nahm man die Leistung etwas zurück, sodass der Wagen noch 189 PS auf die Straße brachte.

 

Ein Ami war zu teuer: Der rosarote Manta!

 

Opel Manta Pick-up aus dem Film "Manta, der Film"

 

Zur Erstaufführung von „Manta Manta“ im Autokino Köln mobilisierte man immerhin 48 Opel Manta. Die Szene (mit Peter) setzte jedoch noch einen drauf: 131 Mantas erschienen zur Aufführung von Teil 2 „Manta Manta“ in Krefeld.

Tatsächlich hat Peter mehr mit dem Film zu tun als das Zusammentrommeln einer Gruppe von Mantafahrern. Die im Film verwendeten Fahrzeuge waren doch schon etwas Besonderes. Einer der auffälligen Opel-Mantas war wohl das pinke Manta-Pick-up. Eine Kreation, an der Peter nicht ganz unschuldig war.

 

Vom Standard-Manta zum Filmstar!

 

Opel Manta Pick-up Filmauto

 

„Das war so: Ich wollte Lothar eigentlich nur besuchen und dann stand in der Halle der rote Manta. Er war hinten links am Kotflügel. Und ich hinten rechts. Da wir uns unterhalten. Sagt Lothar: „Ich wollte mir einen Pickup bauen. Ja, die Amerikaner sind zu teuer, kann ich mir nicht erlauben.“ Du hast doch schon ein Pick-up! Den BMW als Pickup. Nein, den wollte er nicht. Er wollte einen Manta als Pick-up.

Du willst doch nicht das Auto zersägen? Hat erst 75.000 gelaufen und ist einwandfrei in Schuss! Warum willst du das denn kaputt machen?

So ging das sicher eine Stunde hin und her. Bevor Du mich jetzt noch zigmal nervst. Na gut, machen wir das. Holt hinten die Flex raus. Flext das Dach ab und dann standen wir da. Was machen wir jetzt? Jetzt muss man das Auto bauen.

Ja, und im Nachhinein hat er sich geärgert. Weil zum Beispiel der Manta hat ja den stehenden Tank hinterm Rücksitz Sagt da hätte ich doch einen CC genommen, der wäre besser gewesen mit dem Flachtank. Ja, und dann haben wir dann einen vom Fiat 131 Mirafiori eingebaut. Das Heckfenster ist vom Renault R4.

Vor dem vorderen Kotflügel gab es noch scharfe Kanten. Peter war der Meinung, dass die entschärft werden müssen. Der Besitzer des Manta nicht. Die Diskrepanz ließ die Zusammenarbeit pausieren.

Er hat dann alles so weit zusammengebaut. Das Auto wurde schon lackiert. Und dann sagt er: „Ich brauche noch Finish. Weil du mit Folie umgehen kannst und Schriften malen.“ Peter hatte zu dem Zeitpunkt umgelernt als Schriftmaler. „Kannst du mir das nicht machen?“

Ja, und dann haben wir den dann zum Schluss fertig gemacht. Dann stand er da. Er ist auch immer zur Diskothek mitgefahren. War ja was Besonderes. Und dann war irgendwie das Gespräch, dass ein Mantafilm gedreht werden sollte. Dann hat Lothars Neffe das Auto einfach angemeldet bei dem Film. Dann kamen die Leute vorbei, haben sein Auto im Film gesehen.

Davon wusste Peter bis zur ersten Vorführung nichts! Auf den Filmplakaten sah er lediglich den berühmten Manta mit den zwei Vorderachsen.

 

Wie Oldtimer-Treffen entstehen

 

 

2015 startete Peter sein erstes selbst organisiertes Oldtimertreffen. Es entstand aus einer Wette. Manchmal starten erfolgreiche Oldtimer-Treffen völlig unerwartet. Er war bei einem Kollegen, der ein Treffen organisiert hatte. Ganze 11 Oldtimer waren vor Ort, obwohl der Platz weit mehr ermöglicht hätte. Peter fragte, warum nur so wenig und warum er keine Werbung mache. Die Wette gilt! Peter fragte bei der Stadt Gelsenkirchen nach, was so etwas kostet. Die Antwort: Etwa 1.200 Euro für einen Tag.

Das erste Treffen fand dann 2016 in Bergkamen statt. Ein Freund bot sein großes Grundstück an. Das Motto des Oldtimertreffens: „Manta-Filmtreff“. 25 Jahre nach Erscheinen von „Manta, der Film“. Eine Scheune wurde als Kino hergerichtet, eine Hüpfburg für Kinder organisiert und vieles mehr. In den drei Tagen des Mantatreffens erschienen insgesamt 200 Opel Manta.

2018 wurde das Treffen nach Krefeld verlegt. Nun war es nicht mehr nur Opel Manta vorbehalten, sondern als „Opel Classic“-Treffen offen für alle Oldtimer aus Rüsselsheim. Überschüssige Einnahmen spendete Peter für das Krefelder Kinderhospiz. Das Treffen findet noch heute jährlich statt.

Interessant ist auch der Oldtimerbrunch am Café del Sol in Gelsenkirchen. Während eines kleinen Oldtimer-Corsos an einem Sonntag 2019 warteten Peter und ein paar Freunde vor diesem Café auf einige Nachzügler. Dabei entdeckten sie ein Schild, auf dem „Brunch für 15 Euro“ angeboten wurde. Sie entschieden sich, zu bleiben. Der Oldtimerbrunch findet noch heute regelmäßig statt und zieht viele Besucher an. Wirtschaftlich ist das auch für umliegende Geschäfte lukrativ geworden.

2019 kam das Oldtimertreffen Marl dazu. Was mit 30 bis 40 Oldtimern begann, wuchs im Laufe der Jahre auf stattliche 800 klassische Fahrzeuge, was für die dortigen Platzverhältnisse schon beinahe grenzwertig war. Heute hat sich das Treffen auf etwa 200 bis 250 Fahrzeuge vom Goggomobil bis zum Rolls-Royce eingependelt.

Viele weitere Oldtimer-Treffen, besonders im Ruhrpott, hat Peter ins Leben gerufen. Einige betreut er bis heute, einige werden von anderen Oldtimerenthusiasten weitergeführt.

 

Einfach auch mal Gutes tun!

 

Peter Plessa auf einem seiner Oldtimertreffen

 

Peter hat selbst einige gesundheitliche Schwierigkeiten. Aus diesem Grunde wurde er damals vom Grundwehrdienst bei der Bundeswehr ausgemustert. Aber er kann sich eben auch gut in die Lage anderer Menschen versetzen, die Hilfe benötigen. Mit seinen Oldtimertreffen zieht er viele Leute an. Bei den „Opel Classics“ beispielsweise geht ein Teil der Einnahmen an ein Kinderhospiz in Krefeld. Im Gespräch mit einigen Kindern erfuhr er, dass sie sich kaum über das eigene Sterben Gedanken machen. Sie sind eher besorgt, was ihre Eltern dann tun sollen.

 

Anekdoten und Erlebnisse

 

Peter Plessa mit einer Honda

 

Peter arbeitete in der Nähe des Kettwiger Stausees. Sein Chef fuhr mit seiner Ente umher. Als er völlig durchnässt zu seinen Angestellten kam, sagte er: „Eine Ente, die nicht taucht, taugt nichts. Nimm mal den Abschleppwagen und zieh die Ente aus dem Teich!“

Als der WDR bei D&W in Bochum auf einem Auto-Treffen drehte, wollte der Fahrer eines Ford Escort XR3i unbedingt auf sich aufmerksam machen. Er ließ die Reifen drehen. Letztendlich verteilte sich das Getriebe in der Umgebung. Aufmerksamkeit und die dazugehörigen Lacher wurden ihm zuteil. Aufgrund solcher Ausschreitungen sollten diese Treffen unterbunden werden. D&W sperrte das Gelände mit einer Kette. Der Fahrer eines VW Golf I GTI wollte es dennoch wissen und riss sich die komplette A-Säule weg. Der Fahrer kam glücklicherweise ohne Schaden davon.

Ein Kollege schob seine Honda in die Werkstatt. Sie lief nicht mehr. Zündung kontrolliert: Zündfunke ist da. Vergaser gereinigt. Es roch nach Benzin. Nach dem Trocknen der Hände war der Geruch von Diesel wahrnehmbar. Peter fragte: „Was hast Du getankt?“ Die Antwort: „Super!“ Peter wusste, was es war. Aral bot seinerzeit an den Tankstellen auch „Super-Diesel“ an. Nach der Reinigung des Tanks sprang das Motorrad auch wieder an.

 

Endlich wieder einen eigenen Oldtimer!

 

 

Lange Zeit war Peter ohne eigenen Oldtimer unterwegs. Das hat sich kürzlich geändert und er kann wieder standesgemäß zu seinen Oldtimertreffen fahren. Ein rotes Ford-Escort-Cabrio nennt er jetzt sein Eigen. Der Oldtimer wurde 2020 durch die Lebenshilfe Gießen für einen guten Zweck verlost und dem neuen Besitzer von Det Müller übergeben.

Trotz des niedrigen Kilometerstandes schaffte es der neue Besitzer, das Getriebe zu ruinieren. Der Escort ging an die Lebenshilfe zurück. Nachdem das Getriebe ausgetauscht wurde und diverse andere Arbeiten erledigt waren, stand das Auto vier Jahre lang. Dann kam Peter und erwarb das gute Stück zu einem guten Kurs. Das Schöne: Der Kaufpreis kommt sozialen Projekten, beispielsweise der Behindertenhilfe, zugute.

Ich bedanke mich sehr herzlich bei Peter für das interessante Gespräch und die Zeit, die er für diesen Artikel investiert hat. Für die aktuelle Oldtimersaison wünsche ich Dir viel Spaß und natürlich auch für möglichst viele folgende! Wir bleiben in Kontakt!

Gern lese ich eure Kommentare!

4 Antworten

  1. Hallöle Juergen, das geht runter wie Öl, man kann eigentlich mein Leben verfilmen, ich glaube es gäbe eine jahrelange Serie, viele kleine Höhen und eine Menge großer Tiefen waren es, oft haut einem die Gesundheit um, aber man soll Positiv denken, alles wird gut. 10 Jahre organisieren von Oldtimertreffen ist schon etwas, manchmal gibt es auch Neider, ich finde sowas schade, Zusammenarbeit vieler Organisatoren ist da doch besser, was hat man im Leben noch, vieles hat sich gegenüber den 50er bis 90er Jahren geändert, oft zum Nachteil-blödes Beispiel das Nichtraucher Schutzgesetz, die Diskotheken die auch zur Unterhaltung dienten schlossen eine nach der Anderen, bei uns in Gelsenkirchen gab es 27 Stück davon, heute nur noch 2.
    Auch mein Hobby Fotographie zeigt oft wie schön es sein kann, klar gibt es auch Schattenseiten- du hast selbst gesehen wo früher einer der größten Zechen stand haben wir gesessen, am Hafen von Gelsenkirchen Bismarck, ein Teil des Ruhrgebietes ist von Grau auf sehr Grün umgestaltet worden. Ich hoffe das vieles wieder Positiv wird, ich liebe meine Heimat und sage immer wenn jeder etwas dazu beiträgt diese Heimat schöner zu machen ist es viel Wert.
    In diesem Sinne bedanke ich mich auch für das kennen lernen und die nette Unterhaltung
    Gruss Peter Plessa

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