Wie junge Menschen unter 25 in Deutschland heute auf Oldtimer und Youngtimer blicken

Text und Bilder: Frank Schäfer

Wer heute über junge Menschen und Autos spricht, landet schnell bei Klischees. Die einen behaupten, die Generation unter 25 habe mit dem Auto innerlich längst abgeschlossen. Die anderen sehen in ihr bereits die erste rein elektrische Autofahrergeneration. Beides greift zu kurz. Tatsächlich ist das Verhältnis junger Menschen zum Automobil in Deutschland widersprüchlicher, pragmatischer und zugleich emotionaler, als viele vermuten.

 

Junge Frau mit BMW-Youngtimer
Youngtimer statt Neuwagen: Für viele junge Menschen ist das erste interessante Auto kein Hightech-Modell, sondern ein gebrauchter Wagen mit Charakter, überschaubarer Technik und bezahlbarem Einstieg.

 

Denn das Auto ist für die Generation unter 25 keineswegs bedeutungslos geworden. Es hat nur seinen Platz verändert. Es ist nicht mehr automatisch Statussymbol, Lebensziel und tägliche Selbstverständlichkeit zugleich. Aber es bleibt für viele ein Versprechen von Freiheit, Selbstständigkeit und Reichweite. Genau darin liegt auch der Anknüpfungspunkt für Oldtimer und vor allem Youngtimer.

 

Auto für junge Menschen: Mobilität, Freiheit und Alltag in Deutschland

 

Aktuelle Studien zeigen recht deutlich: Das eigene Auto ist für junge Menschen in Deutschland weiterhin wichtig. Das Automobilbarometer 2025 von Consors Finanz beschreibt das Auto für viele junge Erwachsene als unverzichtbaren Teil des Alltags; nur rund drei von zehn können sich vorstellen, künftig ganz ohne Auto auszukommen. Besonders stark ist die Bindung dort, wo Mobilität nicht bequem organisiert ist: im ländlichen Raum und in Familienhaushalten.

Gleichzeitig hat sich der Blick auf Mobilität verändert. Die ADAC-Stiftung kommt in ihrer Studie zur Mobilität junger Menschen zu einem nüchternen Befund: Junge Menschen wählen Verkehrsmittel heute vor allem nach Schnelligkeit, Zuverlässigkeit, Preis und Flexibilität. Das Auto wird also nicht romantisch verklärt, sondern vor allem danach beurteilt, ob es funktioniert. Diese Generation ist weniger ideologisch, als es manche Debatte vermuten lässt. Sie denkt überwiegend in konkreten Situationen, nicht in Glaubensbekenntnissen.

 

E-Auto und Gen Z: akzeptiert, aber nicht automatisch begehrt

 

Gerade deshalb ist die Behauptung falsch, junge Menschen wollten nur noch elektrisch fahren. Richtig ist vielmehr: Sie akzeptieren das E-Auto als Zukunftstechnologie, ohne es automatisch zum Objekt ihrer Begierde zu machen. Laut Consors Finanz erwarten 60 Prozent der Gen Z in Deutschland, dass Elektroautos Benziner langfristig ablösen werden. Es zeigt, dass Elektromobilität durchaus in den Köpfen angekommen ist, was angesichts des medialen Hypes nicht wirklich überrascht. Aber „angekommen“ ist nicht dasselbe wie „begehrt“. Denn beim tatsächlichen Wunschauto, beim ersten eigenen Wagen oder beim emotionalen Bezug spielen andere Dinge oft eine größere Rolle: Preis, Verfügbarkeit, Form, Klang, Marke, Image, technische Überschaubarkeit. Und hier beginnt das Feld, in dem Oldtimer und Youngtimer für junge Menschen interessant werden.

 

Oldtimer-Interesse bei jungen Menschen: mehr Nachfrage als gedacht

 

Die klassische Oldtimerwelt lebt stark von Historie, Originalität, Restaurierungskultur und dem Gedanken des automobilen Kulturguts. Dieser Zugang ist bei den Jüngeren zwar vorhanden, aber nicht dominant. Spannender ist: Ausgerechnet bei den Unter-30-Jährigen ist das Interesse am Besitz eines Oldtimers laut der VDIK-Classic-Studie höher als in der Gesamtgruppe der Pkw-Fahrer. 23 Prozent der unter 30-jährigen Pkw-Fahrer äußern Interesse an einem Oldtimer, in der Gesamtgruppe sind es 17 Prozent. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Garagen des Landes bereits voller Zwanzigjähriger mit Ponton-Mercedes oder Borgward sind. Es bedeutet aber sehr wohl, dass das Thema keineswegs nur die Älteren bewegt.

 

Youngtimer als Einstieg: Klassiker der 90er- und 2000er-Jahre

 

Allerdings ist der Nachwuchs der Klassiker-Szene heute anders gepolt als frühere Generationen. Die BBE Classic Studie 2025 beschreibt einen Markt, in dem besonders Fahrzeuge der 1990er- und 2000er-Jahre an Bedeutung gewinnen. Genau dort liegt für viele unter 25-Jährige der Einstieg. Nicht das Vorkriegsauto, nicht die 50er-Jahre-Limousine, sondern der Wagen, den sie aus ihrer Kindheit kennen, aus Computerspielen, aus Filmen, von Instagram, aus der Garage der Eltern oder vom Hof des Nachbarn. Der emotionale Einstieg in die Klassik ist für diese Generation oft kein Weg zurück in die ferne Vergangenheit, sondern in die jüngere Vergangenheit. Und damit ist es genauso, wie es auch bei den vorangegangenen Jahrgängen ist bzw. war: man interessiert sich im Prinzip doch (fast) immer für die Autos der eigenen Jugend.

Das erklärt, warum der Begriff Youngtimer für junge Menschen attraktiver klingt als Oldtimer. Ein
Youngtimer ist näher dran an der eigenen Lebenswelt. Er wirkt weniger museal und weniger ehrfürchtig. Man kann ihn eher als persönliches Auto denken, nicht nur als Sammlerstück. Er lässt sich fahren, anfassen, umbauen, fotografieren, teilen. Er passt besser zu einer Generation, die zwar digital sozialisiert ist, aber zugleich spürbar auf analoge Erfahrungen anspringt.

 

Retro-Trend und Analogität: warum alte Autos wieder attraktiv sind

 

Tatsächlich lässt sich auch jenseits des Autos eine breitere Retrowelle beobachten. Deutschlandfunk Kultur beschreibt Retro und Nostalgie derzeit als allgegenwärtiges kulturelles Muster, von Schallplatten bis zu Remakes, von vertrauten Designs bis zur Rückkehr des Analogen. Sie fühlen sich echter an als das jederzeit aktualisierbare, softwaregetriebene Jetzt und verkörpern eher einen Wert “für sich“.

Überträgt man diesen Befund auf die Automobilkultur, wird verständlich, warum ältere Autos auf junge Menschen anziehend wirken können. Nicht trotz ihrer Analogität, sondern gerade wegen ihr. Ein älteres Auto hat Knöpfe, Wege, Geräusche, Macken, klare Formen und oft einen Charakter, der nicht von Menüs und Assistenten geglättet wurde. Es fordert mehr und gibt dafür mehr zurück. Für eine kleine, aber sichtbare Gruppe junger Menschen ist genau das cool: nicht Perfektion, sondern Persönlichkeit.

 

Stadt oder Land: wie Mobilität den Blick auf Youngtimer prägt

 

Junger Mann auf E-Roller
Anders in der Stadt: In Großstädten ist das Auto für Unter-25-Jährige oft nur eine Mobilitätsoption unter mehreren. Öffis, Fahrrad und Carsharing spielen hier eine größere Rolle als auf dem Land.

 

Die Trennlinie verläuft dabei weniger zwischen Jung und Alt, als zwischen Stadt und Land. Die Daten aus der ADAC-Studie und der Erhebung „Mobilität in Deutschland 2023“ zeigen, dass junge Erwachsene in größeren Städten zwar etwas weniger autoorientiert sind als früher, das Auto aber gerade außerhalb urbaner Räume seine zentrale Stellung behält. Wer in der Großstadt lebt, kann Mobilität eher mischen: ÖPNV, Fahrrad, zu Fuß, gelegentlich Carsharing. Wer auf dem Land lebt, erlebt das Auto dagegen nicht als Lifestyle-Objekt, sondern als Voraussetzung für Ausbildung, Arbeit, Freunde und Freizeit.

Das hat Folgen für den Blick auf ältere Fahrzeuge. In der Stadt ist ein Youngtimer eher Ausdruck von Stil, Individualität und kulturellem Geschmack. Auf dem Land kann er zugleich Ausdruck von Pragmatismus sein: Man fährt, was bezahlbar, reparierbar und verfügbar ist. Der alte Kleinwagen, der frühe Kompakte oder die Limousine aus den 90ern ist dort nicht nur charmant, sondern oft schlicht realistisch.

 

Kosten, Zugang, Klassenfrage: wer sich Youngtimer leisten kann

 

Damit ist auch der soziale Unterschied angesprochen. Wer über junge Menschen und Autos spricht, darf die „Klassenfrage“ nicht ausblenden. Das E-Auto ist in Deutschland bislang überdurchschnittlich stark bei Haushalten mit höherem sozioökonomischem Status verbreitet. Der ICCT-Monitor zu Elektromobilität und sozialer Teilhabe beschreibt Elektro-Pkw in Deutschland ausdrücklich als bisher vor allem von „Early Adopters“ mit höherem sozioökonomischem Status genutzt. Das heißt: Der Zugang zur neuen Technologie ist ungleich verteilt.

Ähnliches gilt auch für Youngtimer. Die Faszination mag breit sein, die tatsächliche Teilhabe ist es nicht. Wer unter 25 von einem klassischen BMW, einem Golf 3 GTI, einem Honda aus den 90ern oder einem Mercedes der analogen Ära träumt, braucht Geld für Anschaffung, Versicherung, Wartung, Stellplatz und gegebenenfalls Reparaturen. Das gilt umso mehr, wenn das Wunschauto nicht einfach nur alt, sondern bereits gesucht ist.

Hinzu kommt: Die junge Generation ist nicht homogen. Die ADAC-Studie arbeitet auch mit sozialen Milieus und zeigt, dass sich Einstellungen zu nachhaltiger Mobilität deutlich unterscheiden. Fortschrittsorientierte, besser abgesicherte Milieus stehen neuen Mobilitätsformen und der Verkehrswende offener gegenüber als prekäre Milieus. Für den automobilen Alltag heißt das: Nicht alle jungen Menschen sprechen über Autos in derselben Sprache. Für die einen ist das E-Auto ein plausibler Schritt in die Zukunft. Für die anderen ist es vor allem teuer, fern und im Alltag schwer erreichbar. Für die einen ist der Youngtimer ein ironisch gebrochener Stilgegenstand. Für die anderen ist er das letzte erschwingliche Auto mit Charakter.

 

Medienbild und Wirklichkeit: junge Autofans jenseits der Großstadt

 

Im Rahmen dieser Diskussion sollte man berücksichtigen, dass die Mainstream-Medien in Deutschland nicht auf dem Land, sondern in den urbanen Metropolen, insbesondere Hamburg und Berlin, ansässig sind. Insofern wird in diesem Umfeld auch primär über die Menschen in diesen Räumen geschrieben. So entstehen dann Schlagzeilen wie diese: „Die urbane Jugend entdeckt die Aura des Autos und kauft die alten Lieblingsmodelle der Väter. Danach verrosten die Klassiker nicht selten am Straßenrand“. Ein Bericht aus … Berlin-Mitte.

 

Traumauto der Gen Z: Emotion, Design und bezahlbare Gebrauchtwagen

 

Junge Frau in der Stadt
Auf dem Land bleibt das Auto wichtig: Wo Bus, Bahn und Fahrrad kaum eine Alternative sind, zählt für junge Menschen vor allem, dass ein Auto verfügbar, bezahlbar und im Alltag zuverlässig ist

 

Bleibt die Frage, was sich junge Menschen kaufen würden, wenn Geld keine Rolle spielte. Hier wird die Datenlage dünner. Repräsentative deutsche Studien nennen bislang eher Einstellungen als konkrete Traum-Modelle. Was sich aber zeigen lässt: Junge Erwachsene achten beim Auto besonders stark auf Sportlichkeit, Innovation und Markenbild, während das reale erste Auto meist ein Gebrauchtwagen bleibt. In Deutschland dominieren beim ersten Fahrzeug nach wie vor klassische Volumenmarken und bezahlbare Gebrauchte. Traum und Wirklichkeit fallen also auseinander. Gerade deshalb liegt es nahe, dass viele Wunschfahrzeuge keine nüchternen Mobilitätsgeräte wären, sondern emotionale Autos mit Kontur — und dazu zählen eben nicht neue Elektroautos, sondern charakterstarke ältere Fahrzeuge.

 

Oldtimer- und Youngtimer-Szene: so kommt der Nachwuchs heute

 

Für die Oldtimer- und Youngtimer-Szene steckt darin eine gute Nachricht. Der Nachwuchs bleibt nicht aus. Aber er kommt anders, als man es früher erwartet hätte. Jüngere Menschen kommen häufig nicht über das klassische Sammlerethos, nicht über Originalitätsdebatten und nicht über die Ehrfurcht vor dem automobilen Kulturgut in die Szene. Sie kommen über Fahrgefühl, Design, Popkultur, Social Media, Schrauberei, die Sehnsucht nach Analogität und den Wunsch nach etwas Eigenem in einer standardisierten Welt.

Der junge Blick auf alte Autos ist deshalb weniger rückwärtsgewandt als gegenwartsbezogen. Old- und Youngtimer sind für viele unter 25 nicht bloß Erinnerungsmaschinen an eine Zeit, die sie nie selbst erlebt haben. Sie sind Gegenentwürfe zu Touchscreens, Abo-Modellen, Gleichförmigkeit und digitaler Glätte. Das heißt nicht, dass die Generation unter 25 die Elektromobilität ablehnt. Sie hält sie im Gegenteil oft für unvermeidlich. Aber sie sehnt sich zugleich nach Dingen, die man nicht nur benutzt, sondern erlebt.

 

Fazit: Warum Youngtimer für junge Menschen relevant bleiben

 

Am Ende zeigt sich: Junge Menschen in Deutschland haben das Auto nicht abgeschrieben. Sie betrachten es nur sachlicher als früher. Ältere Autos haben dort gute Chancen, wo sie bezahlbar, verständlich und eigenständig wirken. Eine breite Oldtimer-Welle unter Unter-25-Jährigen gibt es nicht. Aber es gibt durchaus ein Interesse an analogen Autos, vor allem an Youngtimern. Dieses Interesse ist jedoch stark davon abhängig, wo jemand lebt, wie viel Geld zur Verfügung steht und welche Rolle das Auto im Alltag überhaupt spielt.

 

Verwendete Quellen

 

ADAC Stiftung / SINUS-Institut: Mobilität junger Menschen. Grundlagenstudie 2025. München 2025.

ADAC Stiftung: Zwischen Frust und Freiheit. Mobilität junger Menschen. Policy Paper 2025. München 2025.

Consors Finanz: Automobilbarometer 2025: Cars: an eternal youth? Die Jungen am Steuer: Wie die Generation Z die Zukunft des Autos prägt. München 2025.

Consors Finanz: Verkehrsmittel Nummer 1: Auch die Gen Z schwört aufs Auto. Pressemitteilung vom 26. Juni 2025.

infas / DLR / IVT / infas 360 im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr: Mobilität in Deutschland 2023. Ergebnisbericht. Bonn/Berlin 2025.

ICCT – International Council on Clean Transportation: Monitor 2025: Elektromobilität und soziale Teilhabe – ein statistisches Porträt des Pkw-Markts in Deutschland aus sozialer Sicht. Berlin/Washington 2025.

Deutschlandfunk Kultur: Nostalgie-Trend: Was steckt hinter dem Retro-Hype? Kulturbeitrag, 2025.

Welt Online: Denn sie wissen nicht, was ein Oldtimer bedeutet, von Bastian Denker, 07.03.2026.

Frank hat recherchiert und sich Gedanken gemacht. Und ich gebe ihm völlig recht. Die Szene wandelt sich. Und ich bin der Meinung: Wir sollten die Sichtweise junger Menschen zulassen. Vielleicht lernen wir vom Nachwuchs. Vielleicht bringt es neuen Schwung in die Oldtimer-Szene. Die Welt dreht sich weiter. Wer stehenbleibt, wird irgendwann verstaubt in der Ecke stehen. Der Oldtimer und die Oldtimer-Szene sterben nicht aus. Sie entwickeln sich weiter.

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Vielen Dank an Frank! Er ist selbst seit vielen Jahren in der Oldtimerszene unterwegs und betreibt eine eigene Webseite. Seine Kernthemen drehen sich rund um den Oldtimersport. Oldtimer- und Youngtimerrallyes haben es ihm angetan. Schaut gern mal rein!

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